Präqualifikationsverfahren für die Bauwirtschaft

Präqualifikation

Das deutsche Vergaberecht für öffentliche Bauaufträge verlangt nach der VOB/A §8 von den Bietern eine Vielzahl von Eignungsweisen. Diese mussten bisher wiederholt für jeden einzelnen Auftrag erbracht werden. Damit fielen pro Eignungsnachweis bei den Unternehmen erhebliche Kosten an. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, wesentliche Teile der Eignungsnachweise durch eine vorgelagerte auftragsunabhängige Präqualifikation zu ersetzen.

 

Unterschied Präqualifikation/Qualitätsmanagement

Durch die Präqualifikation wird das bekannte Qualitätsmanagement (QM) nach DIN EN ISO 9001 weder abgelöst noch überflüssig. Im Gegensatz zur Präqualifikation erfasst QM Abläufe innerhalb eines Unternehmens.

 

Bedeutung der Präqualifikation

Die Bauwirtschaft verkauft kein fertiges Produkt, sondern die Leistungsbereitschaft, ein Bauwerk an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit nach den Vorgaben des Bauherrn oder eines anderen zu erstellen. Anders als auf dem Produktmarkt kann daher der Bauherr als Käufer nicht vorab das Produkt begutachten und danach seine Kaufentscheidung treffen. Der Bauherr kauft ein künftig zu erstellendes Bauwerk. Daher braucht er andere Mechanismen, um eine qualifizierte Auswahl unter den für ihn in Frage kommenden Bauunternehmen treffen zu können. Präqualifikationsverfahren gab es zuvor in fast allen europäischen Ländern, jedoch nicht in Deutschland. Dies war ein großer Nachteil für deutsche Bauunternehmen: Sie mussten die jeweiligen landesspezifischen Präqualifikationsverfahren durchlaufen, während ausländische Bauunternehnmen ungehindert auf dem deutschen Markt mitbieten konnten.

 

Diese Wettbewerbsungleichheit ist mit ein Grund dafür, dass die Renditen der deutschen Bauunternehmen im europäischen Vergleich zu gering sind. Mit der Einführung der Präqualifikation in Deutschland ist dieser Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen ausgeglichen. Die Präqualifikation stellt daher die Chancengleichheit wieder her.

Vom Preisdumping zum Qualitätswettbewerb

Das Präqualifikationsverfahren ermöglicht eine bessere Bekämpfung von illegalen Praktiken in der Bauwirtschaft. Es bietet die Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen und bedeutet für technisch qualifizierte und fähige Unternehmen, an einem gerechten und ihren Kenntnissen entsprechenden Wettbewerb teilzunehmen. Die Marktchancen für die Unternehmen der deutschen Bauwirtschaft werden somit verbessert.

 

Liste präqualifizierter Unternehmen

Die präqualifizierten Unternehmen werden in eine bundesweit einheitliche, vom "Verein für die Präqualifikation von Bauunternehmen" geführte Internet-Liste eingetragen. Die Liste ist öffentlich zugänglich. (www.pq-verein.de). Die Gültigkeit der Präqualifikation ergibt sich aus der aktuellen elektronischen Liste. Wegen des Nachweises von Präqualifizierungsstellen können Sie sich an die Verbandsgeschäftsstellen wenden.

 

Bundeshochbau: Ab 1. Oktober 2008
Beschränkte Ausschreibungen und Freihändige Vergaben nur für präqualifizierte Unternehmen

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat mit Erlass vom 17. Januar 2008 festgelegt, dass ab dem 1. Oktober 2008 bei Vergaben des Bundeshochbaus im Verfahren der Beschränkten Ausschreibung ohne öffentlichen Teilnahmewettbewerb (§ 3 Nr. 3 Abs. 1 VOB/A) und im Verfahren der Freihändigen Vergabe (§ 3 Nr. 4 VOB/A) grundsätzlich nur Unternehmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert werden, die ihre Eignung durch eine Eintragung in die allgemein zugängliche Liste des Vereins der Präqualifikation von Bauunternehmen e.V. (BQ-Liste) nachgewiesen haben. Die Vergabestelle soll auf diese Weise von der Prüfung der Eignung der Unternehmer weitgehend entlastet werden.

 

"PQ+" - zusätzlicher Nachweis der wirtschaftlichen Stabilität durch Ratingverfahren

Das öffentliche Präqualifikationsverfahren für Bauunternehmen gibt dem Auftraggeber Aufschluss über die juristische Zuverlässigkeit und die technische Kompetenz des Bewerbers. Zur wirtschaftlichen Stabilität wird jedoch keine Aussage getroffen. Es fehlt also ein für den Auftraggeber wichtiger Nachweis der Vertragszuverlässigkeit in Form einer Prognose, dass der präqualifizierte Bewerber in der Lage sein wird, seinen vertraglichen Erfüllungs- und Mängelbeseitigungspflichten nachzukommen. Dieses Element kann aber in einem zusätzlichen, vom öffentlichen Verfahren unabhängigen Vorgang geleistet werden: Die DQB bietet Bauunternehmen den Nachweis der wirtschaftlichen Stabilität an. Die Prüfung erfolgt im Rahmen eines Ratingverfahrens bei den VHV-Versicherungen Hannover und ist nur für die Betriebe zugänglich, die ihr "öffentliches" Präqualifikationsverfahren erfolgreich bei der DQB abgewickelt haben. Das Zertifikat der wirtschaftlichen Stabilität beinhaltet nach Prüfung der Bilanz die Aussage, dass das Unternehmen mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 24 Monaten nicht insolvent werden wird und dass die VHV-Versicherung bereit ist, dem zertifizierten Unternehmen als Partner zum Abschluss einer objektbezogenen Vertragserfüllungs- und Gewährleistungsversicherung zur Verfügung zu stehen. Diese Versicherung bietet dem Kunden maximale Sicherheit bei der Abwicklung von Verträgen und bezieht sich -das ist neu- auf alle Bauleistungsbereiche. Der Vorteil von "PQ+" liegt auf der Hand: Ein besserer Nachweis von wirtschaftlicher Stabilität ist kaum darstellbar!

 

Die Vorteile der Präqualifikation

  • Einzelnachweise bei jeder Bewerbung um einen öffentlichen Auftrag entfallen;
  • Die Präqualifikation gilt bei allen Aufträgen
  • Arbeits- und Kostenaufwand entstehen grundsätzlich nur einmal;
  • Die Beurteilungskriterien sind einheitlich und werden von den öffentlichen Auftraggebern anerkannt;
  • Eine Präqualifikation bestätigt die Seriosität und Leistungsfähigkeit der Bieter.

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