Der Arbeitsmarkt im Bausektor

Die Bundesagentur für Arbeit hat in Zusammenarbeit mit der Bauindustrie einen Branchenbericht zum Thema "Der Arbeitsmarkt im Bausektor - Entwicklung 2013" veröffentlicht.

Der Branchenbericht ist in drei Abschnitte untergliedert. Der erste Abschnitt betrachtet die Entwicklung der Erwerbstätigkeit, der Selbständigkeit, der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sowie die Entwicklung des Entgelts. Die Arbeitskräftenachfrage wird im zweiten Abschnitt anhand des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots und der gemeldeten Arbeitsstellen dargestellt. Der dritte Abschnitt befasst sich mit dem Arbeits- und Fachkräfteangebot. Hierzu werden die Entwicklung der Arbeitslosigkeit sowie die Nachwuchssituation dargelegt.

Die Analyse erfolgte auch dieses Mal auf Basis der Daten der BA, des IAB sowie des Statistischen Bundesamtes. Aufgrund der Umstellung der Beschäftigungsstatistik der BA auf die neue Klassifikation der Berufe 2010 konnten in diesem Bericht zu einigen Themen nur Auswertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. -raum dargestellt werden. Somit sind teilweise keine vollständigen Zeitreihen verfügbar. Sofern möglich wurde jeweils die Entwicklung im Zeitraum 2003 bis 2013 betrachtet.

Die wesentlichen Ergebnisse des dritten Berichts in der Bauwirtschaft lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Entwicklung der Erwerbstätigkeit, Selbständigkeit, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sowie des Entgelts:

  • Die Zahl der Erwerbstätigen in der Bauwirtschaft nahm zu Beginn des letzten Jahrzehnts ab und ist mittlerweile wieder leicht angestiegen.
  • Insgesamt lag der Anteil der Selbständigen unter den Erwerbstätigen in Bauberufen im Jahr 2012 bei 19 % (Gesamtwirtschaft: 11 %). Insbesondere die Zahl der Einpersonenunternehmen (Selbständige ohne Beschäftigte) ist deutlich gestiegen.
  • Seit 2005 ist im Baugewerbe ein Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 8,5 % zu verzeichnen, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als 2002. Im Bauhauptgewerbe ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung seit dem Zehnjahrestief im Jahr 2009 bis zum Jahr 2013 um 5,3 % gestiegen. In Architektur- und Ingenieurbüros hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Jahr 2013 einen Höchststand erreicht. Im Vergleich zum Jahr 2002 ist sie um 20,9 % gestiegen.
  • Die meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bauberufen arbeiteten auch im Jahr 2013 im Bauhauptgewerbe in Vollzeit (91,8 %), im Baugewerbe waren es 90 %. In Architektur- und Ingenieurbüros war jeder Sechste teilzeitbeschäftigt, 84,3 % arbeiteten in Vollzeit. Frauen sind im Baugewerbe weiterhin unterdurchschnittlich mit 13,1 % vertreten, im Bauhauptgewerbe sogar mit nur 9,5 %. In Architektur- und Ingenieurbüros liegt der Frauenanteil bei 34,7 %. Der Ausländeranteil im Baugewerbe beträgt 9,1 % und liegt damit etwas über dem gesamtwirtschaftlichen Niveau von 8,2 %. Im Bauhauptgewerbe fällt er mit 10,2 % noch etwas höher aus.
  • Der demografische Wandel ist wie in der Gesamtwirtschaft auch in den Bauberufen erkennbar. So überwiegt die Gruppe der über 40-Jährigen im Vergleich zu den unter 40-Jährigen. Insbesondere bei den Technikern, Meistern, Polieren etc., die in diesem Bericht erstmalig extra ausgewiesen werden, übersteigt der Anteil der über 40-Jährigen deutlich den Anteil der unter 40-Jährigen. So sind hier bereits 69 % über 40 Jahre alt.
  • Das Qualifikationsniveau spiegelt sich in der Entgeltstruktur der Bauberufe wider. So erzielten 41 % als Helfer in dem Tätigkeitsbereich „Bauarbeiten und –ausführung“ im Jahr 2012 ein Monatseinkommen von maximal 2.000 € brutto. 54 % der Fachkräfte in diesem Bereich verdienten zwischen 2.000 und 3.000 € brutto. Zwei Drittel aller Techniker, Meister, Restauratoren und Poliere verdienten ein Monatsbruttolohn von mindestens 3.000 €. 59 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Bauingenieure verdienten über 4.000 € brutto.


Arbeitskräftenachfrage:

  • Insgesamt wurden 2013 in der Bauwirtschaft 125.000 Stellen neu gemeldet (2012: 134.000), wovon 42.400 auf das Bauhauptgewerbe (2012: 43.000) und 22.400 auf Architektur- und Ingenieurbüros entfielen (26.000).
  • Für Hilfskräfte und nicht-akademische Baufachkräfte wurden 2013 in allen Wirtschaftszweigen deutlich weniger Stellen als im Vorjahr gemeldet. Die akademischen Baufachkräfte hingegen verzeichneten nach dem Zehnjahreshoch in 2012 lediglich ein leichtes Minus.
  • Die Vakanzzeit in Bauberufen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Sie lag 2013 bei Bauingenieuren bei 89 Tagen und bei Technikern und anderen nicht-akademischen Fachkräften im Tätigkeitsschwerpunkt Bauplanung, -überwachung und -kontrolle sogar bei 100,6 Tagen. Bei den Fachkräften im Tätigkeitsschwerpunkt „Bauarbeiten und –ausführung“ betrug dieser Wert 97,3 Tage. Der Durchschnitt über alle Berufe liegt bei 78,6 Tagen.
  • Die Meldequote im Baugewerbe lag im vierten Quartal 2013 bei nur 21,4 % (Gesamtwirtschaft: 40,5 %) und erreichte damit den niedrigsten Wert seit drei Jahren.


Arbeits- und Fachkräfteangebot:

  • Im Jahresdurchschnitt waren 2013 6,7 % (198.200) der insgesamt knapp 2,95 Mio. Arbeitslosen in Deutschland in Berufen des Baugewerbes gemeldet. Seit 2007 ist ein sinkender Trend zu verzeichnen. Die Arbeitslosigkeit ist seitdem um 33 % bzw. 96.000 Beschäftigte zurückgegangen. Dieser Rückgang ist deutlich stärker ausgeprägt als in der Gesamtwirtschaft, die im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 22 % verzeichnete.
  • Am Ausbildungsmarkt zeigt sich im Zehnjahresvergleich, dass der stärkste Rückgang bei den Neuabschlüssen im Bereich der Ausbauberufe i.w.S. zu verzeichnen ist. Von 2002 bis 2012 sind diese um 21 % zurückgegangen. Auch bei den Hochbauberufen ist ein Verlust von ca. 20 % festzustellen, jedoch ist hier seit 2008/2009 eine Stabilisierung erkennbar. Lediglich in den Tiefbauberufen ist im Zehnjahresvergleich ein Zuwachs von 5,6 % zu verzeichnen.
  • 7,8 % der 2013 in Bauberufen gemeldeten Ausbildungsstellen (rund 3.700) blieben unbesetzt. Dem standen knapp 1.500 Bewerber (3,6 %) ohne Ausbildungsplatz gegenüber.
  • In den meisten Bauberufen wurden überdurchschnittlich viele Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Lediglich bei den Tiefbauern wurden etwas weniger Verträge als im Durchschnitt vorzeitig beendet. Ähnlich wie im Durchschnitt für alle Berufe weist die Vertragslösungsquote insgesamt eine leicht steigende Tendenz auf.
  • Die Zahl der Studienanfänger im Bauingenieurwesen ist nach dem Rekordjahr 2011 wieder leicht gesunken. Die Absolventenzahlen sind jedoch weiterhin steigend. Zu den Abbruchquoten der Studierenden des Bauingenieurwesens liegen keine aktuellen Daten vor. Innerhalb der Absolventenkohorte des Jahrs 2010 wiesen die Bachelor-Studierenden des Bauingenieurwesens an Universitäten mit 51 % die höchste Abbruchquote auf. An den Hochschulen lag die Quote bei 36 %. Gemäß einer Befragung im Jahr 2009 planten 61 % der Absolventen des Fachhochschulbachelors im Fach Bauingenieur- und Vermessungswesen einen weiteren Studienabschluss, an Universitäten waren es 90 %.

Der Branchenbericht belegt erneut, dass der demografische Wandel in der Branche spürbar ist. Der Bedarf an Nachwuchskräften steigt allein aufgrund der Altersstruktur und es gilt, zukünftig bisher noch ungenutzte Potentiale zu heben. An dieser Stelle verweisen wir erneut auf das Pilotprojekt "Berufsstart Bau", welches auch in diesem Jahr fortgeführt wird. Auszubildende und Fachkräfte, die für die Branche gewonnen werden konnten, müssen dann langfristig durch attraktive Rahmenbedingungen und Perspektiven wie durch eine Aufstiegsfortbildung gebunden werden.

Um die Wahrnehmung gegenüber der BA zu stärken ist es ferner wichtig, dass alle offenen Stellen gemeldet werden. Die Meldequote im Baugewerbe erreichte jedoch den tiefsten Wert seit drei Jahren. Hier bitten wir erneut darum, alle offenen Stellen bei der BA zu melden.

Wir stellen Ihnen den Bericht im Mitglieder-Informationssystem (MIS) unter der Rubrik Statistik als Download zur Verfügung.

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