DIHK-Konjunkturumfrage: Bauunternehmen mit Geschäftslage noch zufrieden

Trotz eines verhaltenen Starts ins zweite Halbjahr sind die Bauunternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Auch die Geschäftserwartungen sind überwiegend positiv, 85 % der Befragten erwarten für die kommenden 12 Monate eine bessere bzw. gleichbleibend gute Geschäftslage. Allerdings bereitet der Branche die Entwicklung der Inlandsnachfrage Sorge. Entsprechend ist der Anteil der Pessimisten leicht gestiegen. Dies ergab eine Umfrage des DIHK unter 1.700 Bauunternehmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturumfrage vorgelegt. Grundlage sind Befragungen bei über 27.000 Mitgliedsunternehmen, davon 1.700 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand von Ende August bis Anfang Oktober 2014 statt. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt.

Geschäftslage
Trotz eines verhaltenen Einstiegs in die zweite Jahreshälfte - die Baubetriebe des Bauhauptgewerbes meldeten von Juni bis August sowohl Order- als auch Umsatzrückgänge - sind die Bauunternehmen zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage: 46 % der Befragten bewerten ihre Lage als „gut“, 47 % als „befriedigend“ und nur 7 % als „schlecht“. Der Saldo liegt mit plus 39 Punkten sogar noch um zwei Punkte über dem - witterungsbedingt guten - Ergebnis im Frühsommer. Aufgrund der baukonjunkturellen Abschwächung seit Juni dieses Jahres fällt das Ergebnis allerdings etwas schlechter aus als im Herbst 2013 mit einem Saldo von plus 43 Punkten. Zwischen den Betriebsgrößenklassen gibt es - wie in der Vorumfrage - keine wesentlichen Unterschiede.

Geschäftserwartungen
Die Zukunftserwartungen sind zwar nach wie vor überwiegend optimistisch, sie haben sich aber im Vergleich zur Vorumfrage etwas eingetrübt. Diese Entwicklung ist für die Jahreszeit - in Erwartung des Winters - aber normal und sehr glimpflich ausgefallen. Der Anteil der Pessimisten liegt bei 15 % und damit nur um einen Prozentpunkt höher als im Herbst des vergangenen Jahres. Es rechnen aber immer noch 85 % der befragten Bauunternehmen in den kommenden 12 Monaten mit einer „verbesserten“ (13 %) bzw. „gleich bleibenden“ (72 %) Geschäftslage. Der Saldo aus „besser“- und „schlechter“-Meldungen liegt damit bei minus zwei.

Im Gegensatz zur aktuellen Geschäftslage fällt die Zukunftserwartung nach Betriebsgrößenklasse sehr unterschiedlich aus: Während der Geschäftserwartungssaldo bei den Kleinbetrieben mit 1 bis 19 Beschäftigten und bei den mittleren Betrieben mit 20 bis 199 Beschäftigten mit minus zwei bzw. minus drei im Durchschnitt liegt, sehen die größeren Betriebe mit 200 und mehr Beschäftigten deutlich positiver in die Zukunft, der Saldo liegt bei plus 9 Punkten.

Konjunkturrisiken
Dieses Ergebnis ist im Hinblick auf die Einschätzung der Inlandsnachfrage auf den ersten Blick verwunderlich: Der Anteil der Großunternehmen, die in dieser ein Risiko für die zukünftige eigene wirtschaftliche Entwicklung sehen, liegt mit 56 % deutlich über dem Durchschnitt von 47 %. Der Vergleich mit der Vorumfrage zeigt aber, dass die Risikoeinschätzung der größeren Unternehmen bei der Inlandsnachfrage  nahezu unverändert ist (55 %). Demgegenüber ist die Einschätzung bei den Kleinbetrieben von 32 % auf 40 % gestiegen, im Mittelstand sogar von 43 % auf 53 %. Insgesamt hat dieses Konjunkturrisiko sowohl im Vormonats- als auch im Vorjahresvergleich stark an Bedeutung gewonnen und ist mit einem Anteil von 47 % vom vierten auf den zweiten Platz gestiegen.

Das größte Konjunkturrisiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten ist aus Sicht der Bauunternehmen allerdings nach wie vor der Fachkräftemangel, 53 % der befragten Bauunternehmen sahen darin im Herbst das Hauptrisiko (Mehrfachnennungen möglich). Die Bauunternehmen scheinen überdurchschnittlich stark von diesem Risiko betroffen zu sein: Im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige gaben dies nur 38 % der Befragten an, in der Industrie sogar nur 29 %. Insbesondere die mittelständischen Baubetriebe sind verunsichert: 57 % der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten. Bei den Großunternehmen hat sich hingegen die Situation etwas entspannt, der Anteil ist von 64 % im Frühsommer auf 55 % gesunken. Entsprechend ist der Anteil derer, die in den Arbeitskosten ein Konjunkturrisiko sehen, von 55 % auf 43 % gesunken. Auch im Branchendurchschnitt hat das Risiko - saisonbedingt - an Bedeutung verloren, der Anteil ist von 49 % auf 44 % gesunken und steht damit nun auf Platz drei.

Auch das Risiko steigender Energie- und Rohstoffpreise verliert weiter an Bedeutung. Im Herbst nannten es nur noch 39 % der befragten Bauunternehmen, niedriger hatte der Anteil zuletzt zu Jahresbeginn 2010 gelegen - lt. Aussage des DIHK ebenfalls eine Phase, in der Nachfragerisiken dominierten und infolgedessen die Weltmarktpreise für Rohstoffe vergleichsweise niedrig waren.

Investitionsabsichten der Industrie
Die Industrieunternehmen haben zwischenzeitlich ihre Investitionspläne wieder leicht revidiert: Der Saldo aus „höhere“ und „geringere“ Investitionen ist von 13 Punkten im Frühsommer auf 9 Punkte gesunken. Insgesamt liegt der Saldo nun wieder auf dem Niveau von vergangenem Herbst. Gesunkene Geschäftserwartungen - der Geschäftserwartungssaldo der Industrie ist von 22 im Frühsommer auf 7 Punkte zurückgegangen - aufgrund steigender Nachfragerisiken sowohl für das In- wie für das Ausland veranlassen viele Unternehmen zu einem vorsichtigeren Kurs bei ihren Investitionsplänen. Das Motiv des „Ersatzbedarfs“ steht nach wie vor an erster Stelle: Mit 64 % der Meldungen ist die Bedeutung aber nicht so hoch wie im Baugewerbe (s. u.). Nach wie vor an zweiter Stelle steht das Motiv „Rationalisierung“ - der Anteil liegt bei 45 %. An dritter Stelle steht das „Innovationsmotiv“: 38 % der Industrieunternehmen gaben dieses Motiv an. Lediglich 31 % der befragten Industrieunternehmen nannten als Motiv für Investitionen die „Kapazitätsausweitung“.

Nach einem überdurchschnittlichen Anstieg der Investitionsabsichten im Baugewerbe im Frühsommer - aufgrund eines witterungsbedingt starken ersten Halbjahres - haben die Investitionspläne im Herbst in der Branche nachgelassen. Der Saldorückgang von vier auf minus einen Punkt ist allerdings saisonal durchaus üblich. Nur noch 14 % der befragten Bauunternehmen planen, ihre Investitionen im kommenden Jahr zu erhöhen, 71 % planen gleichbleibende und 15 % geringere Investitionen.

Das Hauptmotiv für Investitionen ist weiterhin der „Ersatzbedarf“: 80 % der Bauunternehmen gaben dies als Motiv an (Mehrfachnennungen möglich). Dagegen planen nur 19 % ihre „Kapazitäten zu erweitern“, für 23 % ist „Rationalisierung“ und für 15 % „Produktinnovation“ das Investitionsmotiv.

Beschäftigungsabsichten
Die Bauunternehmen schrauben ihre Beschäftigungspläne saisonbedingt etwas zurück: Der Beschäftigungssaldo aus „Ausweitung“- und „Einschränkung“-Meldungen der Bauunternehmen ist von plus eins im Frühsommer auf minus drei gesunken. Allerdings ist der Anteil derer, die planen ihren Personalbestand zu verringern, nur um einen Prozentpunkt auf 12 % gestiegen. Der überwiegende Teil der befragten Bauunternehmen möchte seinen Personalbestand halten (79 %), bzw. erhöhen (9 %). Das macht lt. DIHK Hoffnung, dass die Bauunternehmen auf eine relativ kurze Schwächephase setzen. Auch im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel ist den Unternehmen daran gelegen, ihr Personal zu halten.

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