DIHK-Konjunkturumfrage: Bauunternehmen mit Geschäftslage zufrieden

Die Bauunternehmen sind dank hoher Auftragsbestände und einer guten Auslastung mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Geschäftserwartungen haben sich saisonbedingt eingetrübt, die Befragten sind aber optimistischer für die Zukunft als vor einem Jahr.

Die Sorge über einen zukünftigen Fachkräftemangel breitet sich in der Branche aber zunehmend aus. Dies ergab eine Umfrage des DIHK unter 1.800 Bauunternehmen.


Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturumfrage vorgelegt. Grundlage sind Befragungen bei über 27.000 Mitgliedsunternehmen, davon 1.800 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand von Ende August bis Anfang Oktober 2015 statt. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt (Daten und Grafiken siehe Anlage).

Geschäftslage
Aufgrund eines hohen Auftragsbestandes und einer sehr guten Auslastung sind die Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden: Fast die Hälfte der Befragten bewerten ihre Lage als „gut“, 45 % als „befriedigend“ und nur 6 % als „schlecht“. Mit einem Saldo von 43 Punkten erreichte die Stimmung in der Bauindustrie damit ein Rekordhoch. Laut DIHK haben die Bauunternehmen ihre Lage zuletzt vor über 20 Jahren besser bewertet. Zwar verbessern sich die Lageurteile im Baugewerbe im Herbst saisonbedingt ohnehin spürbar; der aktuelle Saldoanstieg - im Vergleich zur Vorumfrage - fällt mit acht Punkten jedoch besonders deutlich aus.

Die wachsende Zuwanderung hat die Bevölkerungszahl steigen lassen und damit den privaten Wohnungsbau befördert. Zudem sind Niedrigzinsen und steigende Einkommen bereits seit einiger Zeit verlässliche Treiber für den Bau. Laut DIHK schließt sogar der lange Zeit gebeutelte Tiefbau fast auf. Der Antwortsaldo dieser Sparte liegt mit 40 Punkten nur knapp hinter dem Branchendurchschnitt.

Innerhalb der Beschäftigtengrößenklassen haben sich die Unterschiede im Vergleich zur Vorumfrage etwas nivelliert. Der Geschäftslagesaldo hat sich zwar bei allen Größenklassen erhöht, der stärkste Anstieg konnte aber bei den größeren Firmen mit 200 und mehr Beschäftigten beobachtet werden. Der Saldo liegt mit 37 Punkten aber immer noch unter dem Durchschnitt.

Geschäftserwartungen
Die Bauunternehmen blicken im Herbst 2015 zwar skeptischer auf die kommenden Monate, der Saldorückgang von zwölf Punkten ist aber nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. In der Bauwirtschaft ist die Stimmungseintrübung hingegen vor allem witterungsbedingt und - laut DIHK - im saisonüblichen Ausmaß. Der neue Erwartungssaldo fällt mit einem Punkt für einen Herbst sogar bemerkenswert gut aus - höher hatte er zuletzt 1991 gelegen. Der Anteil der Pessimisten liegt bei 13 % und damit sogar zwei Prozentpunkte niedriger als im Herbst des vergangenen Jahres. Es rechnen immer noch 87 % der befragten Bauunternehmen in den kommenden 12 Monaten mit einer „verbesserten“ (14 %) bzw. „gleich bleibenden“ (73 %) Geschäftslage.

Im Hochbau liegt der Erwartungssaldo derzeit sogar bei vier Punkten. Lediglich im Tiefbau übersteigt der Anteil der Pessimisten den Anteil der Optimisten (neuer Saldo: minus zwei Punkte). Diese Sparte ist traditionell skeptischer und in besonderem Maß von öffentlichen Aufträgen, insbesondere im Straßenbau, abhängig. Hier bleibt fraglich, wann die für 2016 angekündigte Investitionsoffensive für die öffentliche Infrastruktur tatsächlich Aufträge nach sich zieht. Laut Einschätzung des DIHK fehlt es in den meisten Ländern derzeit an baureifen Projekten, die kurzfristig umgesetzt werden könnten, weil die Planungskapazitäten heruntergefahren worden sind.

Die Zukunftserwartung fällt auch nach Betriebsgrößenklassen sehr unterschiedlich aus: Während der Geschäftserwartungssaldo bei den Kleinbetrieben mit 1 bis 19 Beschäftigten und bei den mittleren Betrieben mit 20 bis 199 Beschäftigten mit plus eins im Durchschnitt liegt, sehen die größeren Betriebe mit 200 und mehr Beschäftigten deutlich positiver in die Zukunft, der Saldo liegt bei plus 6 Punkten.

Konjunkturrisiken
Das größte Konjunkturrisiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten ist aus Sicht der Bauunternehmen nach wie vor der Fachkräftemangel. Im Vergleich zur Vorumfrage ist die Risikoeinschätzung sogar noch gestiegen: Mittlerweile geben knapp 60 % der befragten Bauunternehmen an, dass sie darin das Hauptrisiko sehen (Mehrfachnennungen möglich). Die Bauunternehmen scheinen überdurchschnittlich stark von diesem Risiko betroffen zu sein: Im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige gaben dies nur 42 % der Befragten an, in der Industrie sogar nur 33 %. Insbesondere die mittelständischen Baubetriebe sind verunsichert: 64 % der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten. Bei den Großunternehmen hat sich die Situation im Herbst im Vergleich zur Vorumfrage auch verschärft, der Anteil ist von 52 % im Frühsommer auf 61 % gestiegen.

Investitionsabsichten der Industrie
Die Industrieunternehmen haben zwischenzeitlich ihre Investitionspläne wieder leicht revidiert: Der Saldo aus „höhere“ und „geringere“ Investitionen ist von 13 Punkten im Frühsommer auf 11 Punkte gesunken. Insgesamt liegt der Saldo aber noch über dem Niveau von vergangenem Herbst. Dies folgt der Entwicklung der Geschäftserwartungen: Der Geschäftserwartungssaldo der Industrie liegt aktuell bei 12 Punkten und damit noch über dem Ergebnis von vor einem Jahr (7 Punkte). Das Motiv des „Ersatzbedarfs“ steht nach wie vor an erster Stelle: Mit 63 % der Meldungen ist die Bedeutung aber nicht so hoch wie im Baugewerbe (s. u.). Nach wie vor an zweiter Stelle steht das Motiv „Rationalisierung“ - der Anteil liegt bei 46 %. An dritter Stelle steht das „Innovationsmotiv“: 38 % der Industrieunternehmen gaben dieses Motiv an. Lediglich 30 % der befragten Industrieunternehmen nannten als Motiv für Investitionen die „Kapazitätsausweitung“.

In der Bauwirtschaft folgt die Eintrübung bei den Investitionsabsichten nur dem saisonüblichen Muster. Vor den wetterbedingten Einschränkungen im Winter plant das Baugewerbe traditionell eher vorsichtig. Auch diesmal sinkt der Saldo der Anschaffungspläne insgesamt leicht um drei auf null Punkte. Laut Aussage des DIHK hält sich selbst der Hochbau (Rückgang um sieben auf null Punkte) derzeit bei neuen Anschaffungen eher zurück. Anders als im Gesamttrend sind hingegen die Investitionspläne im Tiefbaugewerbe tendenziell aufwärts gerichtet (Saldo: ein Punkt nach zuvor minus drei Punkten). Hier dürften laut DIHK etliche Unternehmen darauf setzen, dass die für 2016 angekündigten zusätzlichen Bauinvestitionen der öffentlichen Hand tatsächlich in Gang kommen und zumindest ein Teil des Sanierungsbedarfs bei der öffentlichen Infrastruktur endlich in Angriff genommen wird.

Das Hauptmotiv für Investitionen ist weiterhin der „Ersatzbedarf“: 80 % der Bauunternehmen gaben dies als Motiv an (Mehrfachnennungen möglich). Dagegen planen nur 20 % ihre „Kapazitäten zu erweitern“, für 23 % ist „Rationalisierung“ und für 16 % „Produktinnovation“ das Investitionsmotiv.

Beschäftigungsabsichten
Die Bauunternehmen schrauben ihre Beschäftigungspläne saisonbedingt etwas zurück: Der Beschäftigungssaldo aus „Ausweitung“- und „Einschränkung“-Meldungen der Bauunternehmen ist von plus drei im Frühsommer auf plus eins gesunken. Allerdings ist der Anteil derer, die planen ihren Personalbestand zu verringern, um einen Prozentpunkt auf 9 % gesunken. Im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel ist den Unternehmen daran gelegen, ihr Personal zu halten: Dies gab der überwiegende Teil der befragten Bauunternehmen an (81 %). Jedes zehnte Bauunternehmen möchte die Zahl seiner Beschäftigten sogar erhöhen.

Ähnlich wie bei den Investitionen verbessern sich die Beschäftigungsabsichten auch im Tiefbau, der Beschäftigungssaldo steigt von minus sechs auf minus zwei Punkte - dies ist ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Die Bauunternehmen insgesamt befürchten jedoch, nicht genügend Personal zu finden (59 %). Von den Unternehmen, die eine Ausweitung ihres Personals planen, sehen im Fachkräftemangel mittlerweile 78 Prozent ein Risiko (Frühsommer: 74 Prozent).

Grafiken und Tabellen

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