DIHK-Konjunkturumfrage: Bauunternehmen zu Jahresbeginn verunsichert

Die Entwicklung der Inlandsnachfrage und der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bereiten der Bauwirtschaft Sorge. Entsprechend schauen die Bauunternehmen nur verhalten optimistisch auf das laufende Jahr. Während die Hochbauunternehmen noch positiv gestimmt sind, hat sich die Stimmung bei den Tiefbaubetrieben stark eingetrübt. Dies ergab eine Umfrage des DIHK unter 1.700 Bauunternehmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturumfrage vorgelegt. Grundlage sind Befragungen bei über 27.000 Mitgliedsunternehmen, davon 1.700 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand von Mitte Dezember 2014 bis Mitte Januar 2015 statt. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt (Daten und Grafiken siehe Anlage).

Geschäftslage
Laut DIHK machen die Unternehmen der Bauwirtschaft zu Beginn des Jahres Abstriche bei der Bewertung ihrer aktuellen Geschäftslage, allerdings kaum stärker als saisonal üblich und ausgehend von einem hohen Niveau. Der Saldo aus „gut“- und „schlecht“-Meldungen liegt mit 34 Punkten zwar um fünf Punkte unter dem Wert der Vorumfrage im Herbst vergangenen Jahres und um sieben Punkte niedriger als zu Jahresbeginn 2014. Im langfristigen Vergleich ist das Ergebnis lt. DIHK aber immer noch bemerkenswert gut - seit 2003 liegt der Lagesaldo im Durchschnitt lediglich bei acht Punkten.

Obwohl sich die Bauwirtschaft seit der zweiten Jahreshälfte 2014 in ruhigerem Fahrwasser befindet, bewerten zum Jahreswechsel 2014/2015 immer noch 42 % der Befragten ihre Lage als „gut“, die Hälfte als „befriedigend“ und lediglich acht Prozent als „schlecht“. Innerhalb der Beschäftigtengrößenklassen gibt es allerdings leichte Unterschiede: Während der Geschäftslagesaldo bei den kleineren und mittleren Bauunternehmen im Vergleich zur Vorumfrage zurückging, beurteilten die größeren mit 200 und mehr Beschäftigten ihre Geschäftslage nahezu unverändert gut.

Geschäftserwartungen
Die Zukunftserwartungen haben sich im Vergleich zur Vorumfrage zwar leicht aufgehellt, saisonal wäre allerdings eine deutlichere Verbesserung zu erwarten gewesen. Der Saldo aus „besser“- und „schlechter“-Meldungen ist lediglich um einen Punkt auf minus eins gestiegen. Insgesamt rechnen 84 % der befragten Bauunternehmen in den kommenden 12 Monaten mit einer „verbesserten“ (15 %) bzw. „gleich bleibenden“ (69 %) Geschäftslage. Der Anteil der Pessimisten liegt bei 16 % und damit um einen Prozentpunkt höher als im Herbst des vergangenen Jahres. Im Vergleich zur Umfrage Anfang 2014 ist der Anteil sogar um fünf Prozentpunkte gestiegen. Im Gegensatz zum Jahreswechsel 2013/2014, welcher mit steigenden Auftragseingängen und -beständen einherging, melden die Bauunternehmen seit Juni 2014 eine sinkende Ordertätigkeit. Das schlägt insbesondere bei den Tiefbauunternehmen auf die Stimmung, deren Erwartungssaldo seit Herbst 2014 um neun auf minus acht, binnen Jahresfrist sogar um 15 Punkte gesunken ist. Zugleich sind in dieser Sparte die Sorgen um die Inlandsnachfrage besonders ausgeprägt: 57 % sehen hierin ein Risiko für die eigene zukünftige wirtschaftliche Entwicklung, das ist deutlich mehr als im Durchschnitt der Branche (49 %). Die angekündigten zusätzlichen Investitionen der Öffentlichen Hand lassen sich - nach Einschätzung des DIHK - aus den Geschäftserwartungen dieser stark von der Straßenbautätigkeit geprägten Branchen jedenfalls nicht ablesen. Demgegenüber halten sich im Hochbau Optimisten und Pessimisten die Waage, die florierende Wohnungsbaukonjunktur ließ den Erwartungssaldo seit Herbst 2014 sogar um drei Punkte steigen. Der DIHK führt dies neben den weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen auf die nach wie vor spürbar wachsenden Einkommen zurück.

Ähnlich wie bei der Geschäftslage weisen auch die Geschäftserwartungen bei den Betriebsgrößenklassen ein unterschiedliches Bild auf, allerdings im umgekehrten Fall: Während sich die Zukunftserwartungen bei den Kleinbetrieben und Mittelständlern - saisonbedingt - aufhellen, hat sich das Stimmungsbild bei den größeren Baubetrieben mit 200 und mehr Beschäftigten weiter verschlechtert. Der Geschäftserwartungssaldo liegt mit plus drei Punkten zwar immer noch über dem Durchschnitt, ist aber binnen Jahresfrist um 14 Punkte gefallen - der ursprüngliche Optimismus lässt nach.

Konjunkturrisiken
Dieses Ergebnis ist im Hinblick auf die Einschätzung der Inlandsnachfrage nicht verwunderlich: Der Anteil der Großunternehmen, die in dieser ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten sehen, liegt mit 58 % deutlich über dem Durchschnitt von 49 % (Mehrfachnennungen möglich). Insgesamt hat dieses Konjunkturrisiko seit einem Jahr stark an Bedeutung gewonnen und ist vom vierten auf den zweiten Platz gestiegen. Größtes Geschäftsrisiko der Bauwirtschaft ist aber nach wie vor der Fachkräftemangel mit einem Anteil von 54 %, im Norden und im Süden der Republik liegt der Anteil sogar bei 60 %. Von den Bauunternehmen mit expansiven Beschäftigungsplänen (s.u.) geben sogar mehr als zwei Drittel dieses Risiko an (68 %). Die Bauunternehmen scheinen überdurchschnittlich stark betroffen zu sein: Im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige gaben dies nur 38 % der Befragten an, in der Industrie sogar nur 30 %. Insbesondere die größeren Baubetriebe sind verunsichert: 63 % der Betriebe mit 200 und mehr Beschäftigten sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre künftige wirtschaftliche Entwicklung. Entsprechend ist der Anteil derer, die in den Arbeitskosten ein Konjunkturrisiko sehen, von 43 % auf 48 % gestiegen. Auch im Branchendurchschnitt hat das Risiko wieder an Bedeutung gewonnen, der Anteil ist von 44 % auf 47 % gestiegen und steht damit auf Platz drei, bei den ostdeutschen Baubetrieben sogar auf Platz eins (53 %). Neben dem stetig sinkenden Arbeitskräfteangebot scheinen die Bauunternehmen die zunehmenden Aufzeichnungspflichten der Arbeitszeiten im Zuge des Mindestlohnes als Kostentreiber zu fürchten.

Auch das Risiko wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen hat an Bedeutung gewonnen: Lag der Anteil der befragten Bauunternehmen, die hierin ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in naher Zukunft sehen zu Jahresbeginn 2013 noch bei 36 %, gaben dies Anfang diesen Jahres schon 41 % an. Die schleichende Verschlechterung der Standortbedingungen ist lt. DIHK ursächlich für die hohe Risikoeinschätzung. Dagegen machen sich um die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise momentan nur wenige Bauunternehmen Sorgen, vor allem dank der aktuell günstigen Rohölpreise. Entsprechend hat die Risikoeinschätzung weiter an Bedeutung verloren: Zu Jahresbeginn nannten es nur noch 27 % der befragten Bauunternehmen, im Herbst 2014 gaben es noch 39 % an.

Investitionsabsichten der Industrie
Die leichte Verbesserung der Geschäftserwartungen der Industrieunternehmen führt auch zu einem vorsichtigen Anstieg der Investitionsabsichten, der Einbruch in der zweiten Hälfte 2014 konnte allerdings nicht ausgeglichen werden. Der Saldo aus „höhere“ und „geringere“ Investitionen ist von neun Punkte im Herbst auf 11 Punkte gestiegen. Damit weitet die Industrie ihre Anschaffungspläne etwas stärker aus als der Durchschnitt (neun Punkte). Die Investitionsmotive sind weitgehend unverändert. Das Motiv des „Ersatzbedarfs“ steht nach wie vor an erster Stelle: Mit 63 % der Meldungen ist die Bedeutung aber nicht so hoch wie im Baugewerbe (s. u.). Nach wie vor an zweiter Stelle steht das Motiv „Rationalisierung“ - der Anteil liegt bei 46 %. An dritter Stelle steht das „Innovationsmotiv“: 37 % der Industrieunternehmen gaben dieses Motiv an. Lediglich 32 % der befragten Industrieunternehmen nannten als Motiv für Investitionen die „Kapazitätsausweitung“.

Die Investitionsabsichten im Baugewerbe bleiben hingegen unverändert, trotz sinkender Auftragseingänge. Der Saldo liegt mit minus eins sowohl auf dem Niveau der Vorumfrage im Herbst als auch der Vorjahresumfrage. Insgesamt bewertet der DIHK das Ergebnis positiv, da die Anschaffungsneigung noch weit über dem durchschnittlichen Wert seit 2003 (minus 14 Punkte) liegt. Während die Investitionspläne im Hochbau von minus zwei auf plus zwei Punkte steigen, verschlechtern sie sich im Tiefbau von minus sechs auf minus acht Punkte. Im Branchendurchschnitt planen 15 % der befragten Bauunternehmen, ihre Investitionen im kommenden Jahr zu erhöhen, 69 % planen gleichbleibende und 16 % geringere Investitionen. Das Hauptmotiv für Investitionen ist weiterhin der „Ersatzbedarf“: 81 % der Bauunternehmen gaben dies als Motiv an (Mehrfachnennungen möglich). Dagegen planen nur 19 % ihre „Kapazitäten zu erweitern“, für 22 % ist „Rationalisierung“ und für 17 % „Produktinnovation“ das Investitionsmotiv.

Beschäftigungsabsichten
Nur eine leichte, saisonübliche Verbesserung zeigen die Beschäftigungspläne in der Bauwirtschaft: Der Beschäftigungssaldo aus „Ausweitung“- und „Einschränkung“-Meldungen der Bauunternehmen ist zwar im Vergleich zur Vorumfrage um einen Punkt auf minus zwei gestiegen, liegt aber um fünf Punkte unter dem Vorjahresergebnis. Allerdings ist der Anteil derer, die planen ihren Personalbestand zu erweitern, seit Herbst des vergangenen Jahres um zwei Prozentpunkte auf 11 % gestiegen. Auch möchte der überwiegende Teil der befragten Bauunternehmen seinen Personalbestand halten (79 %), nur 13 % planen eine Einschränkung. Die Beschäftigungspläne fallen aber in den Sparten sehr unterschiedlich aus: Während der Hochbau seine Beschäftigungspläne wieder etwas nach oben schraubt (Saldoverbesserung um drei auf minus eins), fallen sie im Tiefbau erwartungsgemäß schlechter aus (Saldorückgang um zwei auf minus sieben).

Daten und Grafiken zum download.

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