DIHK-Konjunkturumfrage: Verunsicherung verflogen, Bauunternehmen wieder optimistisch

Die Anfang des Jahres zu beobachtende Verunsicherung ist verflogen, die Bauunternehmen schauen wieder optimistisch in die Zukunft. Über 90 % der Befragten erwarten für die nächsten 12 Monate eine bessere bzw. gleichbleibende Geschäftslage. Die Stimmung hat sich in allen Bausparten aufgehellt. Dies ergab die Frühsommer-Umfrage des DIHK unter 1.600 Bauunternehmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturumfrage vorgelegt. Grundlage sind Befragungen bei über 23.000 Mitgliedsunternehmen, davon 1.600 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand von Ende März bis Anfang Mai 2015 statt. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt (Daten und Grafiken siehe Anlage).

Geschäftslage
Die Bauwirtschaft bewertet ihre Lage im Vergleich zu den übrigen Wirtschaftszweigen am besten. Der aktuelle Saldo aus „gut“- und „schlecht“-Meldungen ist im Vergleich zur Vorumfrage um einen Punkt auf 35 Punkte gestiegen (Durchschnitt der Wirtschaftszweige: 32 Punkte). Dies ist lt. DIHK der zweithöchste Frühsommerwert seit Befragungsbeginn – lediglich 2014 war die Stimmung nach einem besonders milden Winter noch etwas besser. Insgesamt gaben 43 % der Befragten an, ihre aktuelle Geschäftslage wäre gut, 49 % sind zufrieden und lediglich 8 % bewerten sie als schlecht.

Im Vergleich zur Vorumfrage und auch zum Vorjahr verschlechtert sich die Lagebewertung lediglich im Tiefbau (Saldorückgang um sieben auf 22 Punkte) – der angekündigte Anstieg der öffentlichen Investitionen zeigt hier noch keine Wirkung. Hauptimpulsgeber für die Baukonjunktur bleibt der private Wohnungsbau – vor allem hier schlagen die Niedrigzinsen, das Einkommens- und mittlerweile auch das Bevölkerungswachstum positiv zu Buche.

Innerhalb der Beschäftigtengrößenklassen gibt es erhebliche Unterschiede: Während sich der Geschäftslagesaldo bei den kleineren und mittleren Bauunternehmen im Vergleich zur Vorumfrage etwas verbesserte, beurteilten die größeren Firmen mit 200 und mehr Beschäftigten ihre Geschäftslage deutlich schlechter als noch zu Jahresbeginn.

Geschäftserwartungen
In der Bauwirtschaft verbesserten sich die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Jahresbeginn. Der Saldo der Geschäftserwartungen aus „besser“- und „schlechter“-Meldungen kletterte um 14 auf plus 13 Punkte. Laut DIHK ist der Anstieg auch im saisonalen Vergleich kräftig und insbesondere stärker als im Vorjahr (Anstieg um sechs Punkte). Der DIHK sieht als treibenden Faktor die historischen Niedrigzinsen, die die Bauwirtschaft durch eine wieder anziehende Investitionstätigkeit beflügeln. Insgesamt rechnen 91 % der befragten Bauunternehmen in den kommenden 12 Monaten mit einer „verbesserten“ (22 %) bzw. „gleich bleibenden“ (69 %) Geschäftslage. Der Anteil der Pessimisten liegt lediglich bei 9 % und damit deutlich unter dem Wert zu Jahresbeginn von 16 %.

Die stärkste Verbesserung wurde für den Tiefbau gemessen (Saldoanstieg um 17 Punkte). Der neue Erwartungssaldo von neun Punkten bewegt sich auch in dieser Sparte weit oberhalb des für einen Frühsommer üblichen Durchschnitts von minus vier Punkten. Da dieser Bereich stark von öffentlichen Aufträgen abhängt, macht die verbesserte Finanzlage vieler Kommunen - nach Einschätzung des DIHK - Hoffnung auf einen Abbau des Investitionsstaus. Die Ankündigung der Bundesregierung, öffentlicher Investitionsmittel ab 2016 aufzustocken, wird sich in diesem Jahr zwar noch nicht positiv in den Büchern niederschlagen, ein positiver Effekt auf die Stimmung ist u. E. aber schon zu beobachten.

Im Unterschied zur Geschäftslage weisen die Geschäftserwartungen bei den Betriebsgrößenklassen kein differenziertes Bild auf: Die Zukunftserwartungen haben sich in allen Größenklassen im Vergleich zur Vorumfrage aufgehellt.

Konjunkturrisiken
Größtes Geschäftsrisiko der Bauwirtschaft ist nach wie vor der Fachkräftemangel mit einem Anteil von 56 % (Mehrfachnennungen möglich) - Tendenz steigend. Unter den Bauunternehmern mit expansiven Beschäftigungsplänen sind es mittlerweile fast drei Viertel (74 %; Vorumfrage: 68 %), die dieses Risiko angeben. Im Verlauf der vergangenen fünf Jahre haben sich die Meldungen im Durchschnitt mehr als verdoppelt: Zu Jahresbeginn 2010 lag der Anteil erst bei 21 %. Das Risiko ist im Süden der Republik noch stärker ausgeprägt, der Anteil liegt bei 63 %. Im Vergleich zu den übrigen Wirtschaftszweigen scheinen die Bauunternehmen überdurchschnittlich stark betroffen zu sein: Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt gaben dies nur 39 % der Befragten an, in der Industrie sogar nur 31 %. Insbesondere die mittelständischen Baubetriebe sind verunsichert: 59 % der Betriebe mit 20 und 199 Beschäftigten sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre künftige wirtschaftliche Entwicklung.

Die zunehmende Verunsicherung hinsichtlich des Fachkräfteangebots wirkt sich auch auf die Arbeitskosten aus: Der Anteil derer, die in den Arbeitskosten ein Konjunkturrisiko sehen, verharrt auf dem Höchststand, den er zu Jahresbeginn erreicht hat (47 %). Das Risiko steht damit auf Platz zwei. Auf Platz drei abgerutscht ist das Risiko Inlandsnachfrage: Der Anteil ist von 49 % auf 43 % zurückgegangen - die Bauunternehmen erwarten anscheinend eine nachhaltige Investitionsbelebung. Diese Entwicklung ist allerdings überwiegend auf die Kleinbetriebe zurückzuführen (Anteil: 35 %). Die Großunternehmen sind hingegen etwas vorsichtiger: Der Anteil, derer, die in der Inlandsnachfrage ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten sehen, liegt mit 55 % deutlich über dem Durchschnitt.

Auch das Risiko wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen hat an Bedeutung verloren: Lag der Anteil der befragten Bauunternehmen, die hierin ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in naher Zukunft sehen, zu Jahresbeginn noch bei 41 %, gaben dies aktuell nur noch 37 % an. Aber auch hier sind die Großunternehmen skeptischer, der Anteil liegt bei 51 %. Dagegen ist die Risikoeinschätzung hinsichtlich der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise bei den Bauunternehmen etwas gestiegen – nach einem kontinuierlichen Bedeutungsverlust seit dem Frühsommer 2012. Der Anteil hat seit Jahresanfang um 2 Prozentpunkte auf 29 % zugelegt. Hintergrund dürften die wieder leicht steigenden Rohstoffpreise sein.

Investitionsabsichten der Industrie
Die Verbesserung der Geschäftserwartungen der Industrieunternehmen führt auch zu einem Anstieg der Investitionsabsichten, der Einbruch in der zweiten Hälfte 2014 konnte ausgeglichen werden. Der Saldo aus „höhere“- und „geringere“ Investitionen ist von 11 Punkten zu Jahresbeginn auf 13 Punkte gestiegen. Die Investitionsmotive sind weitgehend unverändert. Das Motiv des „Ersatzbedarfs“ steht nach wie vor an erster Stelle: Mit 63 % der Meldungen ist die Bedeutung aber nicht so hoch wie im Baugewerbe (s. u.). Nach wie vor an zweiter Stelle steht das Motiv „Rationalisierung“ - der Anteil liegt bei 45 %. An dritter Stelle steht das „Innovationsmotiv“: 37 % der Industrieunternehmen gaben dieses Motiv an. Lediglich 31 % der befragten Industrieunternehmen nannten als Motiv für Investitionen die „Kapazitätsausweitung“.

Die Investitionsabsichten im Baugewerbe haben sich auch verbessert – dank weiter steigender Auftragsbestände und optimistischerer Zukunftserwartungen. Der Saldo aus „höhere“- und „geringere“-Investitionen liegt mit plus drei über dem Niveau der Vorumfrage mit minus eins und fast wieder auf dem Niveau der Vorjahresumfrage. Insbesondere der Hochbau plant neue Anschaffungen: Der Saldo liegt bei sieben Punkten und damit auf einem Rekordwert für die in Sachen Investitionen eher vorsichtige Branche. Zudem zeigen die Investitionsmotive einen weiteren Expansionskurs: Der Anteil der Hochbauunternehmen, die Investitionen zur „Kapazitätserweiterung“ planen, steigt gegenüber der Vorumfrage um drei Punkte auf 23 % (Branchendurchschnitt: 20 %, Mehrfachnennungen möglich). Die übrigen Bausparten zeigen hingegen weniger Dynamik: Im Tiefbau steigt der Saldo der Investitionspläne saisonbedingt um fünf auf minus drei Punkte. Zudem verliert die Kapazitätserweiterung als Investitionsmotiv im Tiefbau gegenüber der Vorumfrage deutlich an Bedeutung (um fünf Punkte auf 11 %). Laut DIHK sind die angekündigten zusätzlichen öffentlichen Investitionen in Deutschland zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht kapazitätswirksam. Sie bleiben ohnehin hinter der nötigen Größenordnung zurück und lösen bisher insofern auch keine offensivere Investitionsplanung in der stark von staatlichen Aufträgen beeinflussten Branche aus.

Das Hauptmotiv für Investitionen ist allerdings weiterhin der „Ersatzbedarf“: 81 % der Bauunternehmen gaben dies als Motiv an, von den Tiefbauunternehmen sogar 90 %. Dagegen planen nur 20 % „Rationalisierungsinvestitionen“ und 16 % gaben „Produktinnovation“ das Investitionsmotiv an.

Beschäftigungsabsichten
In der Bauwirtschaft folgen die Beschäftigungserwartungen der Aufhellung der allgemeinen Geschäftsaussichten und der steigenden Investitionspläne: Der Beschäftigungssaldo aus „Ausweitung“- und „Einschränkung“-Meldungen der Bauunternehmen ist im Vergleich zur Vorumfrage um fünf auf plus drei Punkte gestiegen und liegt damit sogar über dem Vorjahresergebnis. Zudem ist der Anteil derer, die planen, ihren Personalbestand zu erweitern, im Vergleich zur Vorumfrage um zwei Prozentpunkte auf 13 % gestiegen. Auch möchte der überwiegende Teil der befragten Bauunternehmen seinen Personalbestand halten (77 %), nur jedes zehnte Bauunternehmen plant eine Einschränkung. Während der Hochbau dank der guten Entwicklung im Wohnungsbau seine Beschäftigungspläne spürbar hochschraubt (Saldoanstieg um sieben auf plus sechs Punkte), fallen die Pläne im Tiefbau erwartungsgemäß mager aus (Saldo: minus sechs Punkte).

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