DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2016: Größere Bauunternehmen optimistisch

Die Bauunternehmen schauen optimistisch auf das laufende Jahr. Insbesondere die Geschäftserwartungen der größeren Unternehmen haben sich weiter aufgehellt. Innerhalb der Bausparten zeigen sich aber nach wie vor Unterschiede: Während der Erwartungssaldo im Hochbau aufgrund des prosperierenden Wohnungsbaus deutlich positiv ist, sind die Tiefbaubetriebe trotz angekündigter Investitionsoffensive des Bundes skeptisch. Dies ergab eine Umfrage des DIHK unter 1.800 Bauunternehmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturumfrage vorgelegt. Grundlage sind Befragungen bei über 27.000 Mitgliedsunternehmen, davon 1.800 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand von Anfang Dezember 2015 bis Mitte Januar 2016 statt. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt (Daten und Grafiken siehe Anlage).

Geschäftslage
Die Bauunternehmen sind bemerkenswert gut durch den Winter gekommen. Der Saldo der aktuellen Geschäftslage sank von Herbst des vergangenen Jahres bis Anfang des laufenden Jahres nur um zwei auf 41 Punkte – höher hat er nach Aussage des DIHK zu Beginn eines Jahres in den vergangenen dreißig Jahren nie gelegen (Jahresbeginn 2015: 34 Punkte). Fast die Hälfte der Befragten (48 %) bewerten ihre Lage als „gut“, 45 % als „befriedigend“ und nur 7 % als „schlecht“. Im Hochbau hält der Saldo sogar das Herbstniveau von 42 Punkten. Steigende Einkommen und der Flüchtlingsstrom sorgen für eine rege Nachfrage beim Wohnungsbau, der milde Winter ermöglicht zumeist ein Durcharbeiten.

Innerhalb der Beschäftigtengrößenklassen haben sich die Unterschiede im Vergleich zur Vorumfrage nivelliert. Der Geschäftslagesaldo hat sich bei den kleineren Betrieben mit 1 bis 19 Beschäftigten und bei den mittelständischen Betrieben mit 20 bis 199 Beschäftigten leicht verschlechtert. Bei den größeren Firmen mit 200 und mehr Beschäftigten konnte hingegen ein Anstieg beobachtet werden. Der Saldo liegt mit 42 Punkten mittlerweile sogar leicht über dem Durchschnitt.

Geschäftserwartungen
In der Bauwirtschaft hellen sich die Erwartungen deutlicher auf als in den anderen Wirtschaftszweigen. Der Antwortsaldo in diesem Sektor kletterte um fünf auf sechs Punkte, etwas stärker als üblicherweise zu Beginn eines Jahres. Der Anteil der Pessimisten liegt bei 10 % und damit sogar sechs Prozentpunkte niedriger als zu Beginn des vergangenen Jahres. Es rechnen immer noch 90 % der befragten Bauunternehmen in den kommenden 12 Monaten mit einer „verbesserten“ (16 %) bzw. „gleich bleibenden“ (74 %) Geschäftslage.

Vor allem die Hochbauunternehmen erwarten bessere Geschäfte, der Saldo stieg binnen Jahresfrist von Null auf zehn Punkte. Diese Sparte profitiert von Impulsen aus dem Wohnungsneubau. Hinzu kommt der wachsende Bedarf von Unterkünften für Flüchtlinge. Im Tiefbau übersteigt der Anteil der Pessimisten allerdings immer noch den Anteil der Optimisten (neuer Saldo: minus zwei Punkte), der Saldo liegt aber um sechs Punkte höher als vor einem Jahr. Diese Sparte ist traditionell skeptischer und in besonderem Maß von öffentlichen Aufträgen, insbesondere im Straßenbau, abhängig. Hier scheinen die Unternehmen weiterhin unsicher zu sein, wann die für 2016 angekündigte Investitionsoffensive für die öffentliche Infrastruktur tatsächlich Aufträge nach sich zieht.

Die Zukunftserwartung fällt auch nach Betriebsgrößenklassen sehr unterschiedlich aus: Während der Geschäftserwartungssaldo bei den Kleinbetrieben mit 1 bis 19 Beschäftigten mit plus vier unter und bei den mittleren Betrieben mit 20 bis 199 Beschäftigten mit plus sieben nur minimal über dem Durchschnitt liegt, sehen die größeren Betriebe mit 200 und mehr Beschäftigten deutlich positiver in die Zukunft, der Saldo liegt bei plus 12 Punkten.

Konjunkturrisiken
Das größte Geschäftsrisiko in den kommenden zwölf Monaten ist aus Sicht der Bauunternehmen nach wie vor der Mangel an geeigneten Fachkräften – und dieser spitzt sich sogar noch weiter zu. Mittlerweile geben knapp 60 % der befragten Bauunternehmen an, dass sie darin das Hauptrisiko sehen (Mehrfachnennungen möglich). Die Bauunternehmen scheinen überdurchschnittlich stark von diesem Risiko betroffen zu sein: Im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige gaben dies nur 43 % der Befragten an, in der Industrie sogar nur 34 %. Insbesondere die mittelständischen Baubetriebe sind verunsichert: 65 % der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten. Bei den Großunternehmen hat sich die Situation im Vergleich zur Vorumfrage auch verschärft, der Anteil ist von 61 % im Herbst auf 63 % gestiegen. Qualifiziertes Personal findet sich immer schwieriger, und dann in der Regel zu höheren Kosten – die Arbeitskosten sind mit 45 Prozent zweitgrößtes Geschäftsrisiko im Bausektor, obwohl der Anteil im Vergleich zur Herbstumfrage leicht gesunken ist.

Investitionsabsichten der Industrie
Laut der Ergebnisse der DIHK-Umfrage verbessern sich die Investitionsabsichten der Unternehmen kaum: Der Saldo aus „höhere“ und „geringere“ Investitionen ist seit Herbst 2015 lediglich um einen auf 12 Punkte gestiegen (Jahresbeginn 2015: 11 Punkte). Eine deutliche Investitionsbelebung ist aus Sicht des DIHK somit auch 2016 nicht zu erwarten. Die Finanzierungsbedingungen sind zwar weiterhin ausgesprochen günstig, allerdings wachsen laut DIHK die wirtschaftspolitischen Sorgen – erfahrungsgemäß ein wichtiger Einflussfaktor für die Investitionstätigkeit.

Das Motiv des „Ersatzbedarfs“ steht nach wie vor an erster Stelle: Mit 63 % der Meldungen ist die Bedeutung aber nicht so hoch wie im Baugewerbe (s. u.). Nach wie vor an zweiter Stelle steht das Motiv „Rationalisierung“ - der Anteil liegt bei 46 %. An dritter Stelle steht das „Innovationsmotiv“: 39 % der Industrieunternehmen gaben dieses Motiv an. Lediglich 31 % der befragten Industrieunternehmen nannten als Motiv für Investitionen die „Kapazitätsausweitung“.

Investitionsabsichten der Bauunternehmen
Mit steigenden Investitionsbudgets planen vor allem die Bauunternehmen – expansiver waren die Pläne laut DIHK zuletzt nur im Vereinigungsboom. Das Baugewerbe schwenkt auf einen deutlich expansiveren Investitionspfad ein: Der Saldo steigt von null Punkte im Herbst 2015 (bzw. minus eins Anfang 2015) auf plus vier Punkte zu Jahresbeginn. Die Anschaffungsneigung liegt damit laut DIHK auf einem Rekordhoch und weit über dem durchschnittlichen Wert seit 2003 (minus 13 Punkte). Dies zeigt die seit längerem gute Verfassung des Baugewerbes. Ein zusätzlicher Treiber für die aktuelle positive Entwicklung sind laut DIHK der Bedarf an Wohnungen für Flüchtlinge und Migranten. Dies zeigt sich gerade in der Entwicklung im Hochbau - hier liegt der Investitionssaldo bei fünf Punkten (Herbst 2015: Null Punkte). Dabei steigt das Investitionsmotiv Kapazitätserweiterung für die gesamte Baubranche mit 22 Prozent auf einen Rekordwert (Hochbau: 23 Prozent). Das Hauptmotiv für Investitionen im Baugewerbe ist weiterhin der „Ersatzbedarf“: 80 % der Bauunternehmen gaben dies als Motiv an (Mehrfachnennungen möglich). Dagegen planen 22 % zu „rationalisieren“ und nur für 16 % ist „Produktinnovation“ ein Investitionsmotiv.

Anders als im Gesamttrend sind die Investitionspläne im Tiefbaugewerbe etwas verhalten (Saldo: null Punkte nach zuvor einem Punkt im Herbst). Diese Entwicklung passt zur skeptischeren Erwartung hinsichtlich der Geschäftslage im laufenden Jahr. Die Unternehmen scheinen unsicher zu sein, ob die für 2016 angekündigten zusätzlichen Bauinvestitionen der öffentlichen Hand tatsächlich in Gang kommen und zumindest ein Teil des Sanierungsbedarfs bei der öffentlichen Infrastruktur endlich in Angriff genommen wird. Das Investitionsmotiv Kapazitätserweiterung liegt mit 18 % auch deutlich unter dem Branchendurchschnitt.

Beschäftigungsabsichten
Im Vergleich zu den übrigen Wirtschaftszweigen verbessern sich die Einstellungsabsichten im Baugewerbe besonders deutlich: Der Beschäftigungssaldo aus „Ausweitung“- und „Einschränkung“-Meldungen der Bauunternehmen ist von Herbst 2015 bis Jahresbeginn um drei auf plus vier Punkte gestiegen, binnen Jahresfrist sogar um sechs Punkte. Dabei liegt der Anteil derer, die planen ihren Personalbestand zu erhöhen, mittlerweile bei 13 %. Neben der außergewöhnlich milden Witterung tragen dazu die steigenden Einkommen und das günstige Umfeld für Wohnbaufinanzierungen in Folge andauernd niedriger Zinsen bei. Hinzu kommt der Bedarf, schnell Unterkünfte für Flüchtlinge zu errichten.

Gerade beim Baugewerbe steht den Expansionsplänen allerdings häufig der Mangel an qualifiziertem Personal entgegen: Mittlerweile berichten 60 % der befragten Bauunternehmen von Fachkräftemangel, insbesondere die Betriebe mit expansiven Plänen (74 %). Besonders im Süden scheint das Risiko Fachkräftemangel zu einem Problem zu werden, die Nennung liegt mit 66 % weit über dem Durchschnitt.

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