DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2017: Der Bau boomt - Unternehmen wollen vermehrt investieren

Die Bauunternehmen sehen ihre aktuelle Geschäftslage so positiv wie nie. Auch die Geschäftserwartungen übertreffen nochmals die guten Vorjahresergebnisse. Die Unternehmen planen im laufenden Jahr mehr zu investieren und ihren Personalbestand auszuweiten. Die Sorge über einen zukünftigen Fachkräftemangel nimmt allerdings weiter zu. Steigende Energie- und Rohstoffpreise sind erstmals seit 2012 wieder ein Thema. Dies ergab eine Umfrage des DIHK unter 1.800 Bauunternehmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturumfrage vorgelegt. Grundlage sind Befragungen bei über 27.000 Mitgliedsunternehmen, davon 1.800 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand von Ende Dezember 2016 bis Mitte Januar 2017 statt. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt (Daten und Grafiken siehe Anlage).

Geschäftslage

Die saisonübliche Eintrübung im Baugewerbe fällt zu Jahresbeginn 2017 weitgehend aus: Die Lagebewertung der Baubranche sinkt gegenüber der Vorumfrage im Herbst 2016 nur leicht (Saldorückgang von 54 auf 52 Punkte). Im Vergleich zum ohnehin schon starken Jahresstart 2016 legte der Saldo aus „gut“- und „schlecht“-Meldungen um ganze elf Punkte zu. 58 % der Befragten bewerten ihre Lage als „gut“, 36 % als „befriedigend“ und nur 6 % als „schlecht“. Hoch- und Ausbau stehen weiterhin besonders gut dar (Saldo von 52 bzw. 56 gegenüber 42 bzw. 46 zu Beginn des Vorjahres). Die starke Entwicklung des Wohnungsbaus hat sich fortgesetzt, gestützt durch günstige Zinsen, steigende Einkommen, den Wohnraumbedarf Geflüchteter sowie eine vor allem in Ballungsräumen wachsende Bevölkerung. Der Tiefbau konnte im Jahresvergleich ebenfalls kräftig zulegen (Saldo von 44 nach 37 Punkten im Vorjahr). Die gestiegenen Infrastrukturausgaben von Bund und Ländern kommen zunehmend bei den Betrieben an, ebenso die Investitionen in den Breitbandausbau.

Die Geschäftslage hat sich in allen Beschäftigtengrößenklassen verbessert, der stärkste Anstieg konnte aber bei den größeren Firmen mit 200 und mehr Beschäftigten beobachtet werden. Der Saldo liegt mit 60 Punkten um 18 Punkte über dem Vorjahresniveau und damit auch deutlich über dem Durchschnitt.

Geschäftserwartungen

Die Bauwirtschaft ist so optimistisch wie nie zuvor zu Beginn eines Jahres: Der Erwartungssaldo aus „besser“- und „schlechter“-Meldungen kletterte binnen eines Jahres um fünf auf 11 Punkte. Im Vergleich zur Herbstumfrage ist der Saldo saisonbedingt sogar um 6 Punkte gestiegen. Der Anteil der Pessimisten liegt bei 8 % und damit sogar um zwei Prozentpunkte niedriger als zum ohnehin niedrigen Ergebnis zu Beginn des vergangenen Jahres. 73 % der befragten Bauunternehmen erwarten für die kommenden 12 Monate eine „gleichbleibende“ Geschäftslage, knapp jedes fünfte Unternehmen rechnet sogar mit einer Verbesserung.

In allen Sparten haben sich die Geschäftserwartungen im Vergleich zur Vorjahresumfrage verbessert: Die Bautätigkeit bleibt vor allem im Wohnungsbau hoch, der Saldo stieg im Hochbau um drei auf 13 Punkte und im Ausbau um sechs auf 12 Punkte. Aber auch die Tiefbauunternehmen sehen optimistisch auf 2017: Der Erwartungssaldo legte um 5 auf plus 3 Punkte zu.

Die Zukunftserwartung fällt nach Betriebsgrößenklassen allerdings sehr unterschiedlich aus: Während der Geschäftserwartungssaldo bei den Kleinbetrieben mit 1 bis 19 und bei den mittleren Betrieben mit 20 bis 199 Beschäftigten zu Jahresbeginn 2017 im Vergleich zur Vorjahresumfrage zugelegt hat und mit plus 13 über bzw. mit plus 10 nur leicht unter dem Durchschnitt liegt, hat sich der Saldo bei den größeren Betriebe mit 200 und mehr Beschäftigten verschlechtert (um neun auf drei Punkte).

Konjunkturrisiken

Erstmals seit 2012 hat das Risiko der „Energie- und Rohstoffpreise“ zu Jahresbeginn im Vergleich zur Vorjahresumfrage wieder an Bedeutung gewonnen, die anziehende Weltkonjunktur gibt nach Einschätzung des DIHK den Rohstoffpreisen Auftrieb; so steigen die Kosten für Öl und Industrierohstoffe. Im Baugewerbe sorgt sich demnach jedes dritte Unternehmen um die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise, im Vorjahr betraf dies nur jedes fünfte (Mehrfachnennungen möglich). Im Tiefbau machen sich - angesichts steigender Bitumenpreise - sogar 36 % Sorgen.

Demgegenüber hat das Risiko der Inlandsnachfrage im Baugewerbe weiter an Bedeutung verloren: Zu Jahresbeginn gaben 34 % der Befragten die Inlandsnachfrage als Risiko an, acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Selbst im Tiefbau – lange Zeit gebeutelt angesichts äußerst schwacher öffentlicher Investitionen – sinkt der Risikoanteil mit 36 % auf einen Tiefstand. Die Bauunternehmen profitieren zunehmend von der Steigerung der öffentlichen Infrastrukturmittel. Jedoch kommen die Planungen vielfach nicht schnell genug voran, da Personal fehlt.

Auch die Baubetriebe suchen oft vergebens nach Fachkräften: Das Geschäftsrisiko „Fachkräftemangel“ erreichte im Tiefbau einen Rekordwert (74 %), ebenso im Bau insgesamt (70 %).  In der Vorumfrage im Herbst 2016 waren im Branchendurchschnitt 69 % betroffen und in der Vorjahresumfrage 59 %. Die Bauunternehmen sind überdurchschnittlich stark von diesem Risiko betroffen: Im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige meldeten dies 48 % der Befragten, in der Industrie nur 41 %. Insbesondere die mittelständischen und die größeren Baubetriebe sind verunsichert: 76 % der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten und 72 % der Betriebe mit 200 und mehr Beschäftigten sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten. Wegen der Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden, zahlen viele Bauunternehmen höhere Löhne – steigende Arbeitskosten sind aus Sicht der Betriebe das zweitgrößte Risiko (46 %).

Investitionsabsichten der Industrie

Mit Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige weist die Industrie die größte Dynamik auf. Der Welthandel hat nach Einschätzung des DIHK seine Schwächephase vorerst überwunden, so dass vor allem das Auslandsgeschäft der Betriebe wieder besser in Gang kommt. Mit dem aktuellen Anstieg des Saldos aus  „höhere“- und „geringere“-Investitionen von zwei auf 14 Punkte ist die Industrie zwar, anders als der Bau, noch ein Stück weit von ihrem Rekordwert (28 Punkte) entfernt, das Investitionsmotiv „Kapazitätsausweitung“ nahm aber stark zu (34 % der Unternehmen nach 31 % zu Jahresbeginn 2016). Auch die Investitionsmotive „Rationalisierung“ (47 % der Unternehmen, nach 46 % zu Jahresbeginn 2016) und „Produktinnovation“ (40 % nach 39 %) legten zu. „Umweltschutz“ und „Ersatzbedarf“ blieben hingegen auf dem Niveau der Vorjahresumfrage (20 % bzw. 63 %).

Der Investitionssaldo in der Bauwirtschaft ist so hoch wie zuletzt beim Vereinigungsboom 1991. Gegenüber der Vorumfrage steigt er um vier, im Vergleich zum Jahresbeginn 2016 sogar um fünf auf nunmehr neun Punkte. Insgesamt planen 21 % der befragten Bauunternehmen in den kommenden 12 Monaten eine „Ausweitung“ ihrer Investitionen, 67 % „gleich hohe“ und lediglich 12 % eine „Einschränkung“ der Investitionen. Die expansiven Pläne sind laut DIHK beachtlich und folgen auf eine lange Zeit schwache Entwicklung in diesem Sektor – der Durchschnitt liegt bei lediglich minus elf Punkten. Im Hochbau steigt der Antwortsaldo innerhalb eines Jahres um sechs auf elf Punkte. Der boomende Wohnungsbau ist voll in den Investitionsplänen der Betriebe angekommen: Noch nie wollten so viele Hochbaubetriebe per Saldo ihre Investitionsbudgets ausweiten. Auch der Tiefbau entwickelt sich dynamisch; der Saldo stieg um fünf auf fünf Punkte (zweithöchster Wert seit 2003). Die Sparte profitiert zunehmend von steigenden öffentlichen Infrastrukturausgaben, auch wenn diese angesichts von Planungsengpässen langsamer als ursprünglich geplant fließen. Laut DIHK spricht der enorme Nachholbedarf bei den Verkehrsinvestitionen bei gleichzeitig gut gefüllten öffentlichen Kassen für einen längerfristigen Mittelzuwachs. Im gesamten Baugewerbe wollen so viele Betriebe wie in keiner bisherigen Umfrage seit 2003 „Kapazitäten erweitern“ (25 % nach zuvor 22 %). Außerdem gewinnt das „Rationalisierungsmotiv“ weiter an Bedeutung (27 % nach 22 %) und rangiert damit auf Rang zwei der Investitionsmotive (Rang 1: „Ersatzmotiv“ 80 %). Vor dem Hintergrund des hohen Mangels an potentiellen Mitarbeitern ist dies nicht verwunderlich – die Branche sieht sich gezwungen, fehlendes Fachpersonal durch vermehrten Kapitaleinsatz aufzufangen. Entsprechend stark ist das Motiv der „Produktinnovation“ gestiegen (von 16 % auf 21 %).

Beschäftigungsabsichten

Die Beschäftigungsplanungen der Bauunternehmen erreichen abermals ein Rekordniveau. In diesem Wirtschaftszweig übersteigt der Anteil der Unternehmen mit höheren Beschäftigungsabsichten den der Unternehmen mit Reduktionsplänen um neun Punkte. Gegenüber Jahresbeginn 2016 erhöhten die Unternehmen ihre Beschäftigungsabsichten deutlich: Der Beschäftigungssaldo aus „Ausweitung“- und „Einschränkung“-Meldungen der Bauunternehmen ist um fünf auf plus neun gestiegen. Der Anteil derer, die planen ihren Personalbestand „zu verringern“, liegt lediglich bei 8 %. Im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel ist den Unternehmen daran gelegen, ihr Personal „zu halten“: Dies gab der überwiegende Teil der befragten Bauunternehmen an (75 %). 17 % der Befragten möchten die Zahl seiner Beschäftigten sogar „erhöhen“. Dabei sehen besonders diese Unternehmen das Risiko des Fachkräftemangels: 86 % der Bauunternehmen mit höheren Einstellungsplänen haben mit dem Mangel an qualifizierten Fachkräften zu kämpfen. Besonders expansive Beschäftigungspläne haben die größeren Bauunternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten: Von ihnen plant jedes fünfte Unternehmen in den kommenden 12 Monaten eine Erhöhung des Personalbestandes.

Das weiterhin historisch niedrige Zinsniveau sowie die steigende Nachfrage nach Wohnraum, insbesondere in Ballungszentren, geben den Personalplänen weiteren Schub: So klettert der Saldo im Hochbau wieder auf Rekordniveau (Verbesserung um vier auf acht Punkte). Noch deutlicher wollen die Tiefbauunternehmen ihre Personalplanungen hochfahren (Saldoverbesserung um sechs auf aktuell sieben Punkte), lange Zeit eine der skeptischsten Branchen (langjähriger Durchschnitt: minus zwölf Punkte). Hier wirken derzeit insbesondere die allmählich fließenden zusätzlichen Mittel für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur. Doch der starke Mangel an Fachkräften setzt den Plänen allzuoft Grenzen. Fast drei Viertel der Tiefbauunternehmen nennen ihn als Risiko für die Geschäftstätigkeit.

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