Forschungsinstitute weisen nach: Mindestlohn im Bauhauptgewerbe ohne nennenswerte negative Effekte

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, das Rheinisch Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik hat gemeinsam im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales die Auswirkungen der Mindestlohnregelung im Bauhauptgewerbe untersucht.

Im Ergebnis fanden die Forscher keine Belege dafür, dass Betriebe versucht hätten, dem Mindestlohn im Bauhauptgewerbe durch Umklassifizierung ihrer Tätigkeit zu entgehen. Der Endbericht kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass Wahrnehmung und Auswirkung der Mindestlohnregelung im Geltungsbereich der neuen Bundesländer deutlich ausgeprägter waren als im früheren Bundesgebiet.

Auch auf die Beschäftigung hatte der Mindestlohn keine Auswirkungen. Die Einführung viel im Bauhauptgewerbe genau in die Zeit eines starken Beschäftigungsabbaus. Nach den Forschungsergebnissen hatten allerdings weder die Mindestlohneinführung noch die Nachfolgende Erhöhung einen messbaren zusätzlichen Effekt auf das Beschäftigungsniveau der Arbeiter. Je nach Spezifikation zeigten sich meist keine oder dämpfende Effekte auf die Entlassungsrate. Lediglich bei der Einstellungswahrscheinlichkeit zeigte sich ein negativer Effekt der Mindestlohneinführung in Ostdeutschland.

In Bezug auf die Wettbewerbssituation konnte festgestellt werden, dass im Zuge der Baurezession sowohl Umsatz als auch Investitionen der Betriebe des Bauhauptgewerbes sich nahezu halbiert haben. Durch die Einführung des Mindestlohns könnten Betriebe möglicherweise angehalten werden, die gestiegenen Personalkosten mit Kürzungen bei ihren Investitionen zu kompensieren. Anderseits bestehe ein Anreiz, langfristig höhere Investitionen in Maschinen zu tätigen, um damit Arbeitskräfte zu ersetzen. Bei den Auswertungen der Forscher ergaben sich allerdings keine Hinweise auf Auswirkungen des Mindestlohns auf Umsatz und Investitionsverhalten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich Politik- und die Tarifvertragsparteien bei der Einführung des Mindestlohns starker Kritik ausgesetzt sahen. Die Tarifvertragsparteien, darunter die Deutsche Bauindustrie, haben diese vermeintlich negativen Effekte stets bezweifelt. Im Vordergrund der Argumentationen der Deutschen Bauindustrie stand dabei die Aussage, der tarifliche Mindestlohn werde der Deutschen Bauwirtschaft eine Atempause im Strukturwandel verschaffen und dieser die Zeit für notwendige Strukturanpassung einräumen. Der Endbericht der Forschungsinstitute belegt nun eindrucksvoll, dass die Befürchtung der Mindestlohngegner im Bauhauptgewerbe nicht eingetroffen ist und der Mindestlohn weder auf Beschäftigungsniveau, noch auf Wettbewerbssituation oder Baupreise negative Auswirkungen hatte. Nach Einschätzung der Deutschen Bauindustrie hat allerdings die Einführung des Mindestlohns zu einem deutlichen Rückgang der Zahl der nach Deutschland entsandten Bauarbeiter geführt.

In der Anlage stellen wir ihnen die Zusammenfassung des Forschungsberichtes für die Bauwirtschaft zur Verfügung. Die Langfassung können sie bei Bedarf auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales downloaden.
 

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