KfW-Umfrage zu Finanzierungsbedingungen und Bankenverhalten

Vor dem Hintergrund einer positiven Entwicklung der zentralen Finanzkennziffern, wie Eigenkapitalquote und Umsatzrendite, sowie der daraus resultierenden Verbesserung der Ratingnoten stellt sich nach Einschätzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Finanzierungssituation der Unternehmen im Jahr 2011 unverändert stabil dar. Dies gilt auch für die Firmen des Baugewerbes, die bei den meisten Fragen sogar nochmals eine Verbesserung gegenüber dem Jahr 2010 meldeten.

An der im Frühjahr 2012 für das Jahr 2011 durchgeführten Umfrage, die für die Bauwirtschaft durch Hauptverband und ZDB organisiert wurde, nahmen 3.400 Unternehmen teil, davon 900 aus dem Baugewerbe. Damit ist die Zahl der Baufirmen deutlich höher als in der Vorumfrage (640) und groß genug, damit die Ergebnisse als repräsentativ gelten können. Die Tabellen zu den folgenden Ausführungen können der Anlage entnommen werden.

Kreditaufnahme

25,9 % der Baufirmen gaben an, dass ihre Kreditaufnahme 2011 schwieriger geworden sei, 5,6 % berichteten über eine leichtere Kreditaufnahme. Der Saldo aus „ leichter“- und „schwieriger“-Meldungen im Baugewerbe zeigt aber eine weitere Verbesserung gegenüber den Vorjahren; mit - 20,3 Punkten wurde der beste Wert seit Beginn der Umfragen erzielt.

Der Abstand zum Verarbeitenden Gewerbe wurde deutlich verkürzt. Nach Einschätzung der KfW sind die Unterschiede bei der Beurteilung der Finanzierungsbedingungen zwischen den Branchen vornehmlich auf die unterschiedliche Umsatzgrößenstruktur in den Wirtschaftsbereichen zurückzuführen. Die KfW sieht das Ergebnis in Übereinstimmung mit dem Bank Lending Survey der Bundesbank sowie der vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung erhobenen Kredithürde.

Bei den Gründen (Mehrfachnennungen möglich), die von den Firmen für eine Verschlechterung der Kreditaufnahme genannt wurden, gab es sowohl im Vergleich zu den Vorjahresumfragen als auch zwischen den Branchen nur geringfügige Abweichungen. Von den Baufirmen wurden unverändert vor allem die Ansprüche der Banken an mehr Sicherheiten, eine verbesserte Dokumentation sowie die Offenlegung von Geschäftszahlen genannt.

Finanzkennzahlen, Rating

Bei der Vorjahresumfrage lag der Saldo der Baufirmen, die über eine gestiegene bzw. gefallene Umsatzrendite berichteten, lediglich bei + 1, in der aktuellen Umfrage hingegen bei + 25,2. Der Saldo war damit besser als bei allen befragten Unternehmen und lag nur noch geringfügig hinter dem des Verarbeitenden Gewerbes. Ähnlich sieht es bei der Veränderung der Eigenkapitalquote aus. Der Saldo aus
„gestiegen“- und „gefallen“-Meldungen lag im Baugewerbe mit + 27,6 doppelt so hoch wie bei der Vorumfrage (13,6). Im Vergleich zu allen Unternehmen gibt es keinen signifikanten Unterschied, auch der Abstand zu den Firmen des Verarbeitenden Gewerbes wurde reduziert.

Die positive Entwicklung bei den Finanzkennzahlen für das Baugewerbe wirkte sich auch auf die Ratingnote aus. Der Saldo der Firmen, die über eine verbesserte bzw. verschlechterte Ratingnote berichteten, lag in der Vorumfrage bei + 4,8 Punkten, diesmal bei + 15,4. Hier konnte der Abstand zu allen Unternehmen bzw. zum Verarbeitenden Gewerbe nicht reduziert werden, da alle Firmengruppen über deutlich bessere Ratingnoten berichteten.

Es wird deutlich, dass die Banken den Finanzkennzahlen ein immer stärkeres Gewicht beimessen. 51 % der Baufirmen, die über eine gestiegene Umsatzentwicklung berichteten, meldeten auch eine verbesserte Ratingnote. Dagegen hatten Firmen mit einer rückläufigen Umsatzentwicklung mit 35,4 % einen überproportional hohen Wert bei der Verschlechterung ihrer Ratingnote.

Ähnlich sieht das Bild bei der Eigenkapitalausstattung aus. 51 % der Firmen mit einer gestiegenen Eigenkapitalquote meldeten gleichzeitig eine verbesserte Ratingnote. Bei den Baufirmen mit einer gesunkenen Eigenkapitalquote überwog sogar mit 49 % der Anteil der Firmen, die gleichzeitig über eine Verschlechterung ihrer Ratingnote berichteten.

Diese spielt einerseits eine wichtige Rolle bei der Kreditvergabe. Jeweils 81 % der Baufirmen mit einer verbesserten oder unveränderten Ratingnote meldeten, dass ihre Kreditaufnahme gegenüber dem Vorjahr leichter geworden oder gleich geblieben sei. Dagegen beklagten 62 % der Baufirmen mit einer Verschlechterung der Ratingnote, dass gleichzeitig ihre Kreditaufnahme schwieriger geworden sei.

Investitionen

30 % der Baufirmen haben 2011 ihre Investitionen gegenüber dem Vorjahr gesteigert, 16 % ihre Investitionen zurückgefahren. Der Saldo lag mit + 14 Punkten deutlich höher als bei der Vorumfrage mit + 5 Punkten. Ein ähnliches Bild zeigt sich für das Verarbeitende Gewerbe bzw. alle Unternehmen, so dass der Abstand des Baugewerbes zu diesen Vergleichsgruppen stabil geblieben ist.

Nahezu unverändert blieb im Baugewerbe das Bild bei den Investitionsmotiven (Mehrfachnennungen möglich). Es dominierten 2011 weiterhin die Ersatzinvestitionen mit einem Anteil von 62 %. An zweiter Stelle folgt das Motiv der Erweitungsinvestitionen mit 38 %. Genau umgekehrt sieht es dagegen im Verarbeitenden Gewerbe aus. Hier ist für die Bauwirtschaft der hohe Anteil des Motivs der Erweiterungsinvestitionen von 62 % wichtig, da diese oft mit Baumaßnahmen einhergehen. Erst danach folgt (mit einem stabilen Anteil von 30 % bis 35 % in den Jahren 2004 bis 2011 bei allen Unternehmen) das Motiv der Kostensenkung.

Im Krisenjahr 2009 haben Baufirmen ein Drittel ihrer geplanten Investitionen nicht getätigt. 2011 war dies nur ein Viertel. Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich für das Verarbeitende Gewerbe sowie alle Unternehmen. Positiv ist die Investitionsplanung der Baufirmen für 2012. Lag der Saldo der „ erhöhen“- und „senken“-Meldungen für das Geschäftsjahr 2009 noch bei - 17,1, hat er sich seitdem kontinuierlich verbessert und liegt für das laufende Jahr bei + 11,8 Punkten. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch beim Verarbeitenden Gewerbe bzw. bei allen Unternehmen.

Eine vergleichbare Entwicklung wie in den Vorjahren zeigt sich hingegen bei den Gründen für die Ablehnung eines Investitionskredites, dies gilt sowohl für die Reihenfolge als auch für die Prozentsätze (Mehrfachnennungen möglich). Nach wie vor bemängeln die Banken vor allem unzureichende Sicherheiten bzw. eine zu niedrige Eigenkapitalquote, dies gilt auch für die anderen Branchen. Mittelfristig zeigen sich für die Baufirmen hingegen teilweise Verbesserungen. Während bei der Umfrage vor fünf Jahren als Ablehnungsgrund mit 57,7 % eine „zu niedrige Eigenkapitalquote“ angegeben wurde, hat dieser Grund im Zuge der gestiegenen Eigenkapitalquote deutlich an Bedeutung verloren.

Finanzierungsquellen

Die Frage nach der Bedeutung von Finanzierungsquellen wurde einige Jahre nicht gestellt und erst bei der Vorumfrage wieder ins Programm aufgenommen. Im Vergleich zu den älteren Zahlen sind bei der diesjährigen Umfrage keine Änderung der Reihenfolge der Finanzierungsquellen und nur geringe Abweichungen bei den Prozentwerten festzustellen. In allen Branchen stehen die Innenfinanzierung, kurz- bzw. mittelfristige Bankkredite und die Einlagen von Gesellschaftern deutlich im Vordergrund.

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