Wirtschaftsforschungsinstitute: Bauinvestitionen 2016 mit stärkerem Wachstum

Die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet sowohl für 2015 als auch für 2016 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von jeweils 1,8 %. Die Bauinvestitionen sollen im laufenden Jahr preisbereinigt um 1,0 % zulegen, für 2016 wird eine Verdoppelung der Wachstumsrate auf 2,1 % prognostiziert.

Unter der Überschrift „Deutsche Konjunktur stabil - Wachstumspotenziale heben“ konstatiert die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsforschungsinstitute, dass sich die deutsche Wirtschaft aktuell in einem verhaltenen Aufschwung befinde. Ungeachtet historisch niedriger Zinsen, beträchtlicher Kaufkraftgewinne aufgrund des gesunkenen Rohölpreises und der erhöhten preislichen Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der Euro-Abwertung dürfte sich kein kräftigerer Aufschwung einstellen. Zum Teil liege dies an der vergleichsweise schwachen Weltkonjunktur, insbesondere in den Schwellenländern verlangsame sich die Expansion. Allerdings dürften auch wirtschaftspolitische Entscheidungen der vergangenen Jahre wachstumshemmend gewesen sein. So seien finanzpolitische Spielräume in erheblichem Maße genutzt worden, um Transfers auszuweiten.

Im Prognosezeitraum werde der Aufschwung vor allem von den privaten Konsumausgaben getragen. Zwar liefen die anregenden Wirkungen von Seiten des gesunkenen Rohölpreises auf die Realeinkommen allmählich aus, diese profitierten aber weiterhin von einer steigenden Beschäftigung, Tariflohnabschlüssen deutlich über der Inflationsrate, einer sinkenden Steuerbelastung und steigenden Transfers. Diese erhöhten sich auch aufgrund der zunehmenden Flüchtlingsmigration, die den Staatsverbrauch beschleunigt steigen lasse.

Die Ausfuhren würden von zwei gegenläufigen Einflüssen geprägt. Einerseits setze sich die Erholung im Euroraum fort, anderseits werde die Expansion in den Schwellenländern, vor allem in China, wohl verhalten bleiben. Vor diesem Hintergrund dürften die Ausfuhren nur mäßig expandieren, zumal die anregende Wirkung der Euro-Abwertung allmählich nachlasse. Da die Einfuhren wohl etwas kräftiger ausgeweitet würden als die Ausfuhren, werde der Außenhandel 2015 mit einem Beitrag von 0,4 Prozentpunkten zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen, im kommenden Jahr allerdings nur noch mit 0,1 Prozentpunkten.

Angesichts der aufwärtsgerichteten Produktion werde die Zahl der Erwerbstätigen sowohl 2015 als auch 2016 um jeweils 0,6 % oder rund 250.000 Personen zunehmen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei hingegen zum Erliegen gekommen. Im Verlauf des Prognosezeitraumes dürfte die Zahl der Arbeitslosen leicht zunehmen, weil in zunehmendem Maße Asylbewerber dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden.

Für die öffentlichen Haushalte zeichne sich in diesem Jahr ein Überschuss von 23 Mrd. Euro ab, der deutlich über dem des Vorjahres liege. Im kommenden Jahr dürfte er mit rund 13 Mrd. Euro deutlich geringer sein; zum einen aufgrund eines etwas höheren Expansionspfades der Finanzpolitik, zum anderen aufgrund zusätzlicher Ausgaben im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration. Nach Berechnungen der Wirtschaftsforschungsinstitute werden diese - verglichen mit dem Jahr 2014 - im laufenden Jahr um 4 Mrd. und im kommenden Jahr um 11 Mrd. Euro höher ausfallen.

Zur Flüchtlingsdebatte merken die Institute an, dass die fluchtbedingte Migration kein Ersatz für eine vernünftige Zuwanderungspolitik sein könne, die primär an wirtschaftlichen Interessen der Zielländer ausgerichtet sei. Die Migration sei allerdings auch mit Chancen für die Zielländer verbunden. Um diese zu nutzen, sei auch im Interesse der Flüchtlinge die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt der wichtigste Hebel. Aber nicht nur mit Blick auf die Asylsuchenden sollte der Bildung eine hohe Priorität eingeräumt werden. Moderne Volkswirtschaften würden in abnehmendem Maße durch Investitionen in Beton und in zunehmendem Maße durch Investitionen in Köpfe wachsen. Hier gelte es, Wachstumspotenziale zu heben.

Die Anlage steht den Mitgliedsunternehmen im Mitglieder-Informationssystem (MIS) im Bereich Statistik zu download bereit.

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