Wirtschaftsforschungsinstitute: Bauinvestitionen auf Wachstumskurs

Die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet im Frühjahrsgutachten für 2014 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,9 %, für 2015 von 2,0 %. Die Bauinvestitionen sollen im laufenden Jahr deutlich um preisbereinigt 4,3 % zulegen, für 2015 wird ein Wachstum von 2,4 % erwartet.


Unter der Überschrift „Deutsche Konjunktur im Aufschwung - aber Gegenwind von der Wirtschaftspolitik“ hat die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Frühjahrsgutachten vorgelegt. Die deutsche Wirtschaft befinde sich im Frühjahr 2014 im Aufschwung. Die Produktion sei seit einem Jahr aufwärtsgerichtet, die Beschäftigung steige beschleunigt und die Stimmung unter Unternehmern und Verbrauchern habe sich deutlich verbessert. Auch die Auftragseingänge legten zu und die Finanzierungsbedingungen seien weiterhin ausgesprochen günstig. Die Investitionstätigkeit habe vor diesem Hintergrund an Schwung gewonnen, allerdings sei die Bautätigkeit auch durch den milden Winter angeregt worden.

Die Produktion soll im Verlauf des Jahres weiter deutlich zunehmen, wobei die Binnennachfrage treibende Kraft sei. Die Wohnungsbauinvestitionen würden nach wie vor von den niedrigen Zinsen angeregt. Die öffentlichen Bauinvestitionen würden durch die gute Finanzlage vieler Kommunen gestützt, außerdem würden in diesem Jahr Mittel aus dem Fluthilfefonds die Investitionstätigkeit beleben. Die außerordentlich guten Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, die zunehmende Kapazitätsauslastung sowie die große Zuversicht, die aus den Unternehmensumfragen spreche, wiesen zudem auf eine weitere Beschleunigung bei den Unternehmensinvestitionen hin.

Den größten Beitrag zum Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion werde aber voraussichtlich der private Konsum leisten, der durch eine beschleunigte Zunahme der verfügbaren Einkommen und den weiteren Beschäftigungsaufbau gestützt werde. Vom Außenhandel dürften hingegen keine Impulse ausgehen. Zwar werde sich die Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten im Jahresverlauf im Einklang mit der weltwirtschaftlichen Dynamik etwas beschleunigen; die kräftige Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland, die typischerweise einen hohen Importgehalt aufwiesen, werde aber wohl dazu führen, dass die Importe stärker zulegen als die Exporte.

Das Erwerbspersonenpotential werde durch die Einführung der abschlagsfreien Rente ab 63 Jahren im Juli 2014 für sich genommen verringert. Die weiterhin nur hohe Nettozuwanderung werde diesen Rückgang allerdings mehr als ausgleichen. In Folge der verbesserten Arbeitsmarktsituation werde sich der Lohnauftrieb wohl beschleunigen. Die Finanzpolitik bleibe im Wesentlichen - wegen der von der Bundesregierung beschlossenen Leistungsausweitungen im Bereich der Rentenversicherung - expansiv ausgerichtet. Aufgrund der guten Konjunktur und der damit einher gehenden Einnahmesteigerungen werde sich die Finanzlage des Staates aber weiter verbessern. Im laufenden Jahr dürfte der Budgetüberschuss bei 0,1 % des nominalen Bruttoinlandsproduktes liegen.

Gegenwind für die deutsche Konjunktur komme von der Wirtschaftspolitik. Die neue Bundesregierung messe vier Bereichen eine strategische Bedeutung bei: Der Verbesserung von Teilhabemöglichkeiten und Teilnahmegerechtigkeit durch bessere Bildung und bessere Integration am Arbeitsmarkt, der Investitions- und Innovationspolitik, der Energiewende sowie der Stabilisierung und Vertiefung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Die Mehrheit der Institute ist der Meinung, dass mit vielen der ergriffenen Maßnahmen in den genannten Bereichen die Ziele nicht erreicht, sondern neue Probleme geschaffen würden.

Der flächendeckende Mindestlohn werde die Beschäftigungschancen Geringqualifizierter insgesamt eher schmälern. Die abschlagsfreie Rente ab 63 konterkariere die Bemühungen, die Rentenversicherung an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Stattdessen werde sie das Produktionspotential dämpfen. Bei den öffentlichen Investitionen liege das Gewicht zu sehr auf den quantitativen Mehrausgaben. Diese könnten zwar in Bereichen wie Infrastruktur und Bildung sinnvoll sein, aber Qualitätsverbesserungen seien ebenso wichtig und würden bislang vernachlässigt. Die Art und Weise, in der die Energiewende umgesetzt werde, beeinträchtige aufgrund der mit ihr verbundenen Unsicherheit die Investitionen.

Für das laufende Jahr wurden die Erwartungen aus dem Herbstgutachten der Institute bei Bruttoinlandsprodukt und Bauinvestitionen nur minimal um jeweils 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert. Im laufenden Jahr wird bei den Bausparten im Öffentlichen Bau mit real 10,3 % die höchste Wachstumsrate erwartet. Allerdings hat dieser nur noch einen Anteil von 12 % an den gesamten Bauinvestitionen. Wachstumstreiber ist daher der Wohnungsbau, mit einem Anteil von knapp 59 % an der gesamten Bautätigkeit, der um real 4,4 % zulegen soll. Die schwächste Wachstumsrate wird mit 1,7 % für den Wirtschaftsbau erwartet.

2015 soll die reale Wachstumsrate der Bauinvestitionen zwar deutlich zurückgehen, mit 2,4 % aber immer noch über der Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes liegen. Die Entwicklung in den einzelnen Bausparten soll einheitlicher sein als im laufenden Jahr, es werden Wachstumsraten von 1,4 % bis 3,2 % erwartet, mit dem stärksten Schub im Wirtschaftsbau.

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