Presseinformation vom 04.11.2010

Bauindustrietag 2010 des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen

Der Bauindustrietag 2010 des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen fand am 4. November 2010 im Sprengel Museum in Hannover statt. Die Festreden der Veranstaltung wurden gehalten von dem Niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg Bode MdL zum Thema: „Niedersachsen: Mit Wirtschaftsdynamik zu Wirtschaftskraft und Wohlstand“ und Professor Dr. h. c. mult. Dipl.-Ing. Architekt BDA Meinhard von Gerkan von den gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, zum Thema: „Eine Idealstadt für China in Deutschland konzipiert: Lingang New City“. Einleitend wies der Präsident des Verbandes, Bauass. Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold, darauf hin, dass die Bauunternehmen derzeit optimistischer in die Zukunft blickten als noch vor einem Jahr. Dieser verhaltene Optimismus stütze sich in erster Linie auf die Entwicklung der Baunachfrage.

Die Krise des deutschen Wirtschaftsbaus sei allerdings noch nicht gänzlich vorüber. Die Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe sei zwar dank einer regen Auslandsnachfrage wieder angesprungen. Die Produktionseinbrüche des Jahres 2009 wären in den meisten Industriezweigen aber zu gravierend gewesen, als dass die 2010 zu erwartenden Zuwächse diese ausgleichen könnten. Trotz des Auftragsplus im Wirtschaftsbau gegenüber den Vorjahreswerten sei deshalb nicht damit zu rechnen, dass der Investitionsmotor der Industrie in diesem Jahr wieder voll anspringe. Im Vordergrund würden Rationalisierungs- und Ersatzinvestitionen der Industrie stehen. Erweiterungsinvestitionen, die mit großen Bauaufgaben verbunden seien, würden erfahrungsgemäß erst dann vorgenommen, wenn sich der Aufschwung aus der Sicht der Industrie als nachhaltig erweise. Dagegen sei die Wohnungsbaukonjunktur, so Warmbold, bislang unerwartet gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Dies habe auch damit zu tun, dass im Wohnungsneubau die bereits seit langem erwartete „Bodenbildung“ stattgefunden habe. Die erstmals seit 2006 steigende Zahl neu genehmigter Wohnungen führe zu einer ersten Wiederbelebung des Geschosswohnungsbaus. Erfreulich hätten sich auch die Baumaßnahmen im Wohnungsbestand entwickelt, hier habe vor allem das CO2-Gebäudesanierungsprogramm des Bundes die Nachfrage stimuliert. Die stärksten Impulse werden nach Meinung des Verbandspräsidenten im Jahr 2010 vom öffentlichen Bau ausgehen. Dies sei auch dadurch bedingt, dass von den fast 15 Milliarden Euro, die der Bund über seine beiden Konjunkturprogramme bereitgestellt habe, bislang nur ein kleiner Teil in einer Größenordnung von etwa drei Milliarden Euro abgeflossen sei. Es stünden damit für die Jahre 2010 und 2011 noch Fördermittel von fast zwölf Milliarden Euro zur Verfügung.

Dies bedeute aber auch, dass das Ziel der Bundesregierung, die Nachfrage im Baubereich kurzfristig zu stärken, verfehlt worden sei. Die Länder hätten nur einen geringen Teil der Mittel abgerufen, wobei Niedersachsen mit etwa 50 Prozent im Vergleich zu anderen Bundesländern noch sehr gut dastehe. Dem Jahr 2011 sehe die Bauindustrie in Niedersachsen und Bremen nicht ohne Sorgen entgegen. Zum einen erscheine es nicht realistisch, schon für 2011 mit einem Aufschwung im Wirtschaftsbau zu rechnen, selbst wenn es zu einer weiteren gesamtwirtschaftlichen Belebung komme. Zum anderen sei klar, dass die auslaufenden Konjunkturpro-gramme und die beginnende Konsolidierung der öffentlichen Haushalte die Perspektiven für den öffentlichen Bau eintrüben würden. Vor diesem Hintergrund wiederholte Prof. Warmbold die Forderung, die Finanzierung öffentlicher Investitionen, insbesondere aber der Verkehrsinvestitionen, auf eine neue Finanzierungsgrundlage zu stellen, die nicht mehr von den Zwängen jährlicher Haushaltsentscheidungen abhängig sei. Warmbold dankte ausdrücklich der Niedersächsischen Landesregierung für ihr klares Votum zur Y-Trasse nach der Veröffentlichung eines Gutachtens im Auftrag des Umweltbundesamtes, das sich negativ zu dieser Investitionsmaßnahme geäußert hatte. Zu den Erfordernissen zukünftiger Verkehrsinfrastrukturpolitik in Niedersachsen sagte Warmbold wörtlich: „Wir werden uns auch Gedanken darüber machen müssen, wie wir den weiter zunehmenden Personen- und Güterverkehr auf der A 2 von West nach Ost und umgekehrt beherrschen wollen, eine Erweiterung auf acht Streifen wird kaum möglich sein. Wir sollten daher verstärkt darüber nachdenken, ob sich nicht doch als Lösung die Verlängerung der A 27 über das Dreieck Walsrode Richtung A 39 anbietet“. In seiner Stellungnahme zur Konsolidierungspolitik der Bundesregierung bezog Prof. Warmbold Stellung zu der geplanten Entwicklung der Bau- und Verkehrsinvestitionen. Es sei richtig, dass der befürchtete Absturz der Investitionshaushalte Verkehr unter die zehn Milliarden Euro-Linie vorerst für das Jahr 2011 abgewandt worden sei. Diese Entwicklung werde aber lediglich um ein Jahr auf das Jahr 2012 vertagt.

Auch der Hochbau sei nicht völlig ausgeklammert worden. Die Mittel für die Städtebauförderung sollten um über 300 Millionen Euro zurückgefahren werden. Dies käme einer Halbierung der Programme gleich. Der Bund nehme damit in Kauf, dass dort die entsprechenden Komplementärmittel der Länder und der Kommunen entfielen, wenn die Länder nicht einspringen würden. Ähnlich gravierend seien die Einschnitte in das in den vergangenen Jahren so erfolgreiche CO2-Gebäudesanierungsprogramm. Für 2011 sei nunmehr eine Halbierung der Fördermittel auf 450 Millionen Euro vorgesehen. Auch hier fielen ebenso wie bei der Städtebauförderung beachtliche Multiplikatoreffekte durch private und gewerbliche Folgeinvestitionen aus. Die Personalentwicklungsplanung in der Bauwirtschaft nannte Warmbold eine Herausforderung, der sich die Bauunternehmen selbst stellen müssten. Sie bestehe darin, drohenden Beschäftigungslücken bei gewerblichen Arbeitskräften und Bauingenieuren entgegenzuwirken. Viele Unternehmen in der Bauwirtschaft hätten bereits Weitblick bewiesen, indem sie in der Wirtschaftskrise alle Mittel zur Stabilisierung der Belegschaft genutzt hätten, statt Arbeitskräfte abzubauen. Bauingenieure seien schon heute knapp. Im Juli 2010 hätten nach Schätzungen der Bauindustrie bereits 10.700 offene Stellen 3.500 arbeitslosen Bauingenieuren gegenübergestanden. Dies bedeute, dass sich die Bauwirtschaft dafür einsetzen müsse, die Wertschätzung technischer Themen an den allgemeinbildenden Schulen zu erhöhen, damit künftig mehr Abiturienten ein Bauingenieurstudium aufnehmen würden. Des Weiteren müsse es eine Reform des Studiums geben, um die nach wie vor hohen Abbrecherquoten zu senken. Im Bereich der gewerblichen Arbeitskräfte sei die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen zu steigern, aber auch die Weiterbildung der Belegschaft. Prof. Warmbold wörtlich: „ Dies alles wird natürlich nur von Erfolg gekrönt sein, wenn es gelingt, eine nachhaltige Verbesserung des Images der Deutschen Bauwirtschaft herbeizuführen. Den ausgezeichneten Ruf, den die Deutsche Bauwirtschaft und Ingenieurskunst im Ausland genießt, gilt es nach Deutschland zu reimportieren“.

v. l. Dr. Bayer, Dipl.-Ing. Schneider, Professor Dr. h. c. mult. Dipl.-Ing. Architekt von Gerkan, Dipl.-Ing Kammeyer, Prof. Dr.-Ing. Warmbold, Prof. Sommer

Verantwortlich: Hauptgeschäftsführer Prof. Dipl.-Kfm. Michael Sommer

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