Presseinformation vom 25.09.2008

Bauindustrietag des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen

Mit namhaften Referenten konnte der Bauindustrietag 2008 des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen am 25. September 2008 in Hannover aufwarten. Der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Dr. h.c. Christian Wulff, sprach zum Thema „Standortpolitik für Niedersachsen“; der langjährige DFB- und FIFA-Schiedsrichter und dreimalige Weltschiedsrichter, Dr. Markus Merk, trug zu „Gegensätzliche Welten“ vor.

Für den Bauindustrieverband erklärte eingangs Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold, dass sich die Deutsche Bauwirtschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2008 erfreulicherweise gegen zunehmende gesamtwirtschaftliche Risiken habe behaupten können. Er rechne damit, dass das Baujahr 2008 – allerdings mit deutlichen regionalen und sektoralen Unterschieden – mit einem Umsatzplus abschließen werde. Dabei bleibe der Wirtschaftsbau auch weiterhin Motor der Baukonjunktur. Ein noch sehr starker Euro, die Verteuerung der Rohstoffe und eine Verschlechterung der Kreditkonditionen infolge der weltweiten Kapitalmarktkrise hätten der Investitionsneigung der deutschen Wirtschaft vorerst noch nichts anhaben können.

Die Hoffnung der Bauindustrie auf eine wieder anspringende öffentliche Baunachfrage habe sich noch nicht in dem Maße erfüllt, wie es aufgrund der gestiegenen Gewerbesteuereinnahmen im kommunalen Bereich, aber auch durch das Einnahmewachstum auf Bundes- und Landesebene möglich wäre. Warmbold wies darauf hin, dass der Investitionsstau im öffentlichen Baubereich dringend abgebaut werden müsse. Nur so blieben Regionen im nationalen und internationalen Standortwettbewerb chanchengleich.

Auch im privaten Wohnungsbau lasse sich ein erheblicher Investitionsbedarf, insbesondere bei der energetischen Gebäudesanierung, belegen. Im Wohnungsneubau deute ein leichter Zuwachs der erteilten Baugenehmigungen darauf hin, dass die Talsohle nach rapidem Nachfragerückgang in den letzten 18 Monaten erreicht sei.

Aus Sicht der Bauindustrie in Niedersachsen und Bremen können hochqualifizierte Bauleistungen nur mit hervorragend ausgebildetem Personal umgesetzt werden. Diese Feststellung gelte für alle Verantwortungsebenen in den Bauunternehmen. Mit Sorge, so Prof. Warmbold, seien Strömungen zu betrachten, die den Qualifizierungsbemühungen der Bauwirtschaft entgegenliefen. Zum einen sinke die Zahl der Erstsemester im Bereich des Bauingenieurwesens an den deutschen Hochschulen, zum anderen wäre im gewerblichen Bereich das Abwandern vieler Fachkräfte in andere Wirtschaftsbereiche erkennbar. Aufgrund dieser Tatsache werde sich der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen mit allen Anstrengungen dafür einsetzen, den Führungs- und Fachkräftebedarf der Unternehmen insbesondere auch durch die hervorragenden Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote in den Ausbildungszentren des Verbandes zu decken.

An die Niedersächsische Landesregierung gerichtet wies Warmbold darauf hin, dass die Qualität der Schulbildung und des Hochschulwesens zu Recht in den vergangenen Jahren immer stärker in den Mittelpunkt politischen und gesellschaftlichen Denkens gerückt sei. Aber nicht nur die Lerninhalte müssten dem zukünftigen Qualifizierungsniveau der Menschen im Lande entsprechen, sondern auch die soziokulturellen Bauten. Aus Sicht der Bauindustrie gebe es hier noch erheblichen Baubedarf.

Unter Standortgesichtspunkten sind nach Ansicht Prof. Warmbolds auch die Verkehrsinfrastruktur und ihre Leistungsfähigkeit für den Austausch von Gütern und Menschen von elementarer Bedeutung und trage zum Wohlstand einer Region bei. Das bestehende Autobahnnetz in Niedersachsen sei deshalb bedarfsgerecht zu erhalten und auszubauen. Erfreulicherweise habe die Politik auf Landes- und Bundesebene erkannt, dass schnellstmöglich Investitionsmittel für den Straßen-, den Schienen- und den Wasserstraßenbereich bereitgestellt werden müssten, um in Norddeutschland die Bewältigung des Hinterlandverkehres als nationale Aufgabe zu meistern. Warmbold betonte aber in diesem Zusammenhang, dass dieses Problem aus den zugewiesenen Landesquoten für den Verkehr nicht zu lösen sei.

Der Verbandspräsident ließ in seinen Ausführungen auch die Pläne der Bundesregierung, mit einem Masterplan Güterverkehrlogistik das zu erwartende Verkehrsaufkommen in Deutschland beherrschen zu können, nicht unerwähnt. Nach seiner Einschätzung seien an diesen Plänen durchaus Ansätze zu erkennen, die positiv zu bewerten seien. Gleichzeitig sei auf einige negativ zu bewertende Maßnahmen hinzuweisen. Er glaube nicht an den Erfolg einer Einführung von progressiv gestalteten Mautsätzen in Abhängigkeit von Fahrtlänge und Tageszeit. Gleiches gelte für die Anlastung externer Kosten oder die Vorstellung, man könne tatsächlich Transitverkehre vermeiden und die Bevorzugung der Schiene ungeachtet der Tatsache, dass die Schiene den aufkommenden Verkehr selbst bei Verdoppelung der Schienenkapazität nicht aufnehmen könne.

Ausdrücklich dankte Präsident Prof. Warmbold der Niedersächsischen Landesregierung und hier im Besonderen dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, dem Finanzministerium und dem Sozialministerium, dass eine Initiative des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen, gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, zur Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit entsprochen würde. Unter Federführung des Niedersächsischen Wirtschaftsministers werde im Oktober 2008 zwischen der Bauindustrie des Landes, der Gewerkschaft und der Zollverwaltung ein entsprechendes Bündnis vereinbart.

Abschließend wies Warmbold darauf hin, dass die Bauindustrie auch nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zur Tariftreueerklärung an dem Niedersächsischen Landesvergabegesetz festhalte. Ziel müsse eine europarechtskonforme Ausgestaltung der Tariftreuebindung und die Fortgeltung des Landesvergabegesetzes über den 31. Dezember 2008 hinaus sein.

 

Verantwortlich: Hauptgeschäftsführer Prof. Dipl.-Kfm. Michael Sommer

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