Presseinformation vom 27.01.2016

Bauindustriepreis 2015: Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur: Große Herausforderungen für den Bau

Im Rahmen der Verleihung des Bauindustriepreises 2015 des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen am 26. Januar 2016 in Hannover an den Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann nahm der Präsident des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen, Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold, vor den zahlreichen Gästen der Festveranstaltung auch zu einigen wichtigen und aktuellen baupolitischen Fragen Stellung.

Nach Einschätzung Warmbolds stehen die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bundesländer im Bereich des Erhalts und des Ausbaus der Infrastruktur vor großen Aufgaben. Dennoch sieht die Bauwirtschaft nicht mit Optimismus, sondern eher mit Zurückhaltung in die Zukunft. Auf allen Ebenen fehlten ausreichende Planungskapazitäten, so dass mangels einer hinreichenden Zahl planfestgestellter und baureifer Projekte nicht alle zur Verfügung gestellten Mittel verbaut werden könnten. Warmbold verwies darauf, dass von den rund 2,7 Milliarden Euro zusätzlichen Investitionsmitteln des Bundes im Jahre 2015 Niedersachsen nicht die üblichen zehn Prozent abrufen konnte, sondern lediglich 173 Mio. Euro.

Es sei erfreulich, dass das Land Niedersachsen die Planungsmittel für das Jahr 2016 um 15 Mio. Euro erhöht habe. Notwendig wären Schätzungen zufolge aber wohl mindestens 20 Mio. Euro gewesen. Die Erhöhung der Planungsmittel müsse auch für die Zukunft fortgeschrieben werden, so dass es nicht bei einem Einmaleffekt in diesem Jahr bleibe.

Im Bereich des Wohnungsbaus habe es seit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 zwar eine Steigerung der Baufertigstellungen um 70 Prozent auf jetzt insgesamt 260.000 Einheiten bundesweit gegeben. Diese Steigerung reicht nach Ansicht Warmbolds aber bei Weitem noch nicht aus, um der Wohnungsknappheit in den Ballungsräumen abzuhelfen.

Die anhaltende Binnenwanderung in Städte und Ballungszentren sowie die steigende Zahl von Flüchtlingen mache die Fertigstellung von jährlich mehr als 400.000 Wohnungen bundesweit erforderlich.

Dieses Ziel lässt sich nach den Worten Warmbolds aber nur erreichen, wenn die Rahmenbedingungen für Investitionen im Wohnungsbau verbessert werden. Die angekündigte Sonder-Afa für Engpassregionen müsse umgehend auf den Weg gebracht werden, um preiswerten Wohnraum zu schaffen. Zu begrüßen sei die Verdopplung der Fördermittel des Bundes für den sozialen Wohnungsbau für die Jahre 2016 bis 2018 auf jeweils eine Milliarde Euro. Auch diese Summe werde allerdings nicht ausreichen, da die Kommunen das notwendige Volumen im Hinblick auf den weiteren Zustrom von Flüchtlingen eher auf zwei Milliarden Euro beziffern.

Zum Abschluss seiner Rede kritisierte Warmbold die aktuelle Novellierung des Vergaberechtes. Statt – wie von der Bundesregierung angekündigt – die Vergabeverfahren effizienter, einfacher und flexibler zu gestalten, werde die Bauverwaltung und auch die Bauwirtschaft mit zahllosen neuen Vorschriften konfrontiert, die auch noch auf verschiedene Regelwerke verteilt seien.

Weitere Themen in diesem Bereich:

  • Werte schaffen.
  • Werte erhalten.
  • Bauen gestaltet Zukunft.